Heiß

 Sonnenuntergang an der Ria Formosa
Seit Freitag und aller Voraussicht nach bis einschließlich Montag erlebt Portugal nicht nur die heißesten Tage des Jahres, gleichzeitig werden Temperatur-Rekorde der vergangenen zehn Jahre gebrochen. Nahezu das ganze Land liegt unter einer Hitzeglocke, naturgemäß ist es an den Küsten frischer und die Temperaturen dort überschreiten kaum die 30-Grad-Marke. In elf von achtzehn Distrikten des Landes und auch in Lissabon gilt hingegen Wetterwarnstufe Orange (die zweithöchste) mit Temperaturen bis vierzig Grad in der Hauptstadt, 38 bis 44 Grad im Alentejo und im gesamten Tal des Tejo. Selbst in den Nordregionen des Landes werden gegenwärtig zwischen 32 und 40 Grad gemessen. Auch nachts gibt es kaum Abkühlung. Die Gesundheitsämter raten, viel Wasser zu trinken, selbst wenn man keinen Durst verspürt, nur leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen, körperliche Anstrengung zu vermeiden und sich (insbesondere zwischen elf und siebzehn Uhr) nicht in der Sonne aufzuhalten. 
Die Notaufnahmen der Kliniken melden einen deutlichen Anstieg Hilfesuchender, bei denen die Hitze Beschwerden verursacht. Im Lissabonner Hospital de São José fiel die Klimaanlage aus, die schon in den vergangenen Tagen mehrfach Funktions-Störungen zeigte. Das zur Reparatur notwendige Ersatzteil ist in keiner Werkstatt auf Lager, sodass eine Reparatur erst am Montag stattfinden kann. Patienten aus den am meisten von hohen Temperaturen betroffenen Gebäudeteilen wurden inzwischen in das Kloster des historischen Klinikgebäudes verlegt. Dort sei es immer kühler, so eine Sprecherin des Krankenhauses. Nach dem Hitzerekord-Sommer 2003 hatte es Erörterungen gegeben, wie viele der Todesfälle in jenem Sommer mit mangelhaften Schutz-und Hilfemaßnahmen gegen die Einwirkungen der Sommerhitze zusammenhingen; es sollen an die zweitausend gewesen sein. 
Die Vorhersagen aus dem Frühjahr, der Sommer werde kühl und instabil, scheinen zumindest für Juli nicht zuzutreffen. Immer häufiger vergleichen nun die Meteorologen diesen Sommer mit dem Jahr 2003, dessen Temperatur-Höhepunkte allerdings im August erreicht wurden. Damals meldete der Lissabonner Zoo Wasser-Notstand, selbst an tropisches Klima gewöhnte Tiere wie Elefanten und Löwen brauchten mehrfach täglich eine Dusche. Überall dort, wo Flüsse durch Ortschaften fließen, wurden die Nächte zum Ereignis für Hobbyangler, die sämtliche Brücken bevölkerten. Viele Läden meldeten den Ausverkauf von Billig-Angeln.