Finanzpolitische Embolie
„Feudalstaatliche Diktatur“, „Blockade“ oder „letztes Aufbäumen der Inkompetenten“ – dies sind einige der Kommentare, die seit gestern hör- und lesbar wurden zum Erlass des Finanz-Ministeriums, demzufolge die übrigen Ministerien ohne vorherige ausdrückliche Einzelfall-Genehmigung des Kollegen im Finanz-Ressort keine Ausgaben mehr tätigen dürfen. Dies bedeutet eine Konten- und Kassensperre für alle nachgeordneten öffentlichen Einrichtungen, die voraussichtlich bis Ende der kommenden Woche anhalten wird: Dann hat die Troika in Lissabon erneute Bestands-Aufnahme gemacht und der Ministerrat wird wissen, welche Geldmengen den Ressorts weiterhin zur Verfügung stehen. Zahlreiche Verantwortliche erklärten bereits, das Verbot eigener finanzieller Entscheidungen zu boykottieren
Unter ihnen António Sampaio da Nóvoa, der Rektor der Universidade de Lisboa, einer der renommiertesten Hochschulen des Landes. Der Erlass verwandle den „Rechtsstaat in einen Staat der Ausnahme-Regelungen“. Die Politik von Finanzminister Vítor Gaspar sei „sinnlos, orientierungslos und inakzeptabel“ und gefährde „die Zukunft Portugals und seiner Institutionen“. Man könne „kein einziges Problem lösen, indem man das Land zusperrt“, denn de facto blockiere der Erlass „jede noch so kleine Ausgabe“, denn er führe zu „Unruhe und Chaos ohne den geringsten praktischen Nutzen“. Andere Beobachter meinen, die Verzweiflung der Regierung über das Veto des Verfassungs-Gerichts sei nicht weiter als ein schlecht gespieltes Dramolett, denn da die geplanten Wege zu Einsparungen nun als nicht gangbar eingestuft wurden, hätten Gaspar und Regierungschef Pedro Passos Coelho praktisch freie Hand für Kürzungs-Maßnahmen, die noch drastischer sein dürften als alles bisher Gekannte – immer mit dem Schein-Argument, das Verfassungs-Gericht habe der Regierung keine andere Wahl gelassen. 
Im Gedenken an die gerade verstorbene frühere britische Regierungschefin Margaret Thatcher meint Rúben Bicho, Kommentator des Diário Económico, Passos Coelho sehe sich gerne als Nachfahre der 'Eisernen Lady', doch da sei kein Vergleich möglich, denn es gibt einen Unterschied zwischen politischer Härte und bloßer Sturheit. Der US-Volkswirt Paul Krugman, seit langem ein scharfer Kritiker der Troika-Politik in Europa und insbesondere in Portugal, riet den Portugiesen zum Widerstand: „Just say 'Não'.“