Neues an der Maut-Front 
Entgegen früherer Zusagen wird die Maut ab 1.1.2012 um durchschnittlich vier Prozent teurer. Der militante Widerstand einiger, dem Vandalismus zugeneigter Mautgegner im Algarve, die Kamera-Anlagen zur Erfassung der vorbeifahrenden Autos in Brand zu setzten oder anderweitig zu zerstören, führt derweil zum Gegenteil des erwünschten Effekts: Kfz-Besitzer berichten, sie erhielten Rechnungen für nicht gefahrene Strecken, bei anderen wird die zuvor anerkannte Maut-Befreiung nicht berücksichtigt. Die Erklärung des Mautsystem-Betreibers Via Verde dafür lautet, die Beschädigungen der Anlagen hätten Unterbrechungen im Aufzeichnungs-System verursacht, das nun „eine eigene Dynamik“ entwickele. So könne durch die fehlerhafte Aufzeichnung eine nicht unterbrochene Fahrt zwischen Lagos und Faro als mehrere Fahrten verzeichnet werden, weil die zerstörte Anlage bei Boliqueime das Auto nicht registriert, es aber vom nächstfolgenden Lesegerät wieder angezeigt wird. 
Zwar gibt es ein Versprechen des Autobahn-Betreibers Estradas de Portugal, kein Autofahrer werde unter System-Fehlern leiden, doch hegen manche den Verdacht, Via Verde nutze die Gelegenheit um die Mautgegner für die Störungen verantwortlich zu machen. Deren Organisationen bestreiten die Teilnahme ihrer Mitglieder am Vandalismus vehement. Viel wahrscheinlicher sei, dass „das wie bei Krawallen im Fußball ist: Wer da mitmacht, will keine Mannschaft unterstützen, sondern einfach nur Randale machen“, sagt ein A 22-Nutzer in Lagos. 
Inzwischen protestiert auch die Nationalgarde gegen die Maut-Praxis: Nach den Anschlägen schiebt die GNR Wache an den Kamera-Brücken. Doch existiert für die National-Gardisten keine Infrastruktur: „Wie sitzen in unseren Autos, es gibt in der Nähe kein WC und bei schlechter Sicht, nachts oder bei Nebel, besteht Unfallgefahr“, erklärte GNR-Berufsverbands-Sprecher José Alho. Schwere noch wiegt für ihn etwas anderes: Dauerparken am Randstreifen ist verboten, auch für Ordnungshüter. Bei der Erfüllung ihrer dienstlichen Anweisungen riskiert jeder von ihnen ein Fahrverbot von bis zu zwei Jahren, gemäß der Straßenverkehrs-Ordung.
Das war's. War's das?
 Menu-Vorschlag für Silvester: „Languste à la Troika“,
portugiesische Spar-Variante angesichts leerer Kassen
2011 zählt nur noch wenige Stunden. Die Vorbereitungen für 2012 verlaufen ohne echte Begeisterung. Nicht einmal namhafte portugiesische Zeitschriften begleiten den Jahreswechsel mit dem Optimismus, in jedem Neuen wohne auch das Gute. Statt wie früher Bilder von Silvesterkrachern, von Urlaub zwischen den Jahren oder von girlanden-umwickelten Schampus-Flaschen auf dem Titel zu drucken, lässt Visão einen etwas finster blickenden Bürger den Leser durchbohrend angucken. Das Titelthema dazu heißt: Enfrentar 2012. 2012 entgegentreten. Dinheiro&Direitos, das Ratgeber-Heft des Verbraucherschutz-Bundes DECO für die, die noch Geld&Rechte haben, zeigt sogar einen Henker-Strick auf dem Cover, allerdings durchgeschnitten, eben passend zum Thema der Januar-Ausgabe: „Wie man der Insolvenz entkommt“. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, vor allem wenn sie nach der Allegorie des Titelfotos gerade nochmal mit ziemlich eingeschnürter Kehle davongekommen ist. 
Als Heftbeilage gibt es einen Leitfaden für die bevorstehende Steuererklärung: Dort sieht man eine Euromünze, die von einem derben Gürtel eingeschnürt wird. Das ist grob gegenüber einem Geburtstagskind. Die Währung wird ja am Neujahrstag zehn Jahre alt, hat die Kinderkrankheiten übersprungen und ist direkt im Siechtum angekommen. Ein Mensch, der gerne feiert, möchte sich aber auf Silvester freuen. Soll nicht die Böller-Knallerei die bösen Geister vertreiben? „Das Zeug kommt aus China“, meint einer, „genau wie bald auch deine Stromrechnung“.
Änderungen bei der Mehrwertsteuer ab 1.1.2012 
Die Mehrwertsteuer IVA bleibt 2012 zwar gleich, 23 Prozent ist der Höchstsatz. Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Brot, Milch, Fisch, Butter Joghurt, Obst und Gemüse werden weiterhin mit dem niedrigsten Steuersatz von sechs Prozent besteuert, doch viele Waren des täglichen Bedarfs, die aus diesen Lebensmitteln oder Derivaten hergestellt sind, werden ab 1. Januar aus der bisherigen IVA-Einstufung genommen und in einer höheren Klasse versteuert:
Der Ball und der Pass 
Renato Neto ist zurück beim Fußball-Erstligisten Sporting Lissabon. Der Verein hatte den brasilianischen Vertragsspieler an den belgischen Club Cercle Brügge ausgeliehen und ihn nun zur entscheidenden Phase im portugiesischen Titelkampf wieder zurück an den Tejo geholt. Wie solche internationalen Einsätze ausländischer Spieler unter portugiesischer Regie in Zukunft aussehen, klärt gerade eine „Kommission zum Schutz der nationalen Mannschaften“ unter Vorsitz des früheren Sportministers José Luís Arnaut. Mit ihm beraten sechs Fußball-Funktionäre über „Qualitäts-Kriterien bei Verträgen mit ausländischen Spielern“, unter anderem nach dem Vorbild der englischen Premier League. So soll die Talent-Förderung der eigenen Fußballer in Portugal durch Anreiz für Verträge in heimischen Vereinen gestaltet werden: Bei der Einkommensteuer könne es Vergünstigungen geben, bei der Sozialversicherung einen Sonderfonds für Spieler. Auch gesetzliche Regelungen über Sponsoren könnten zu Gunsten der Spieler neu gefasst werden, so Arnaut über das Konzept seiner Experten-Gruppe. Sportler, die in Portugal trainieren, sollen bevorzugt unter Vertrag genommen werden und Importe aus anderen Ländern „eher eine Art Zusatz darstellen“, so Arnaut. Er möchte die Erstligisten verpflichten, während der Dauer eines Spiels ständig mindestens vier Portugiesen auf dem Rasen zu haben, in den unteren Ligen sollen umgekehrt nie mehr als zwei ausländische Spieler gleichzeitig auf dem Platz sein. 
In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Spieler aus anderen Ländern rasch:
2011 wirft Schatten auf 2012 
Ein neues Bild von Portugal:
Der industrielle Norden
ist stillgelegt, an der Alentejo-
Küste leben ein paar Deutsche,
Algarve ist in britischer Hand
ZEICHNUNG: macroscópio
Das Jahr 2011 war eines der heißesten seit 1931 in Portugal. Diese Angaben stammen zwar vom meteorologischen Institut und beziehen sich auf die durchschnittliche Temperatur im zu Ende gehenden Jahr, doch manch einer im Lande sieht verbrannte Erde in anderen Lebensbereichen. Und niemand glaubt den Beschwörungen der Politik, im Jahr 2012 werde sich alles langsam wieder abkühlen. Zum Beispiel: Das Baugewerbe. Es sieht sich nicht nur sinkender Nachfrage aus den Reihen finanziell überlasteter potenzieller privater Bauherren ausgesetzt und einem drastischen Rückgang öffentlicher Bauaufträge seit Jahrenbeginn (im Algarve um 84 Prozent), seit Portugal einen harten Sparkurs fahren muss. Nun droht auch noch globalisierungs-bedingtes Ungemach: Seit Portugals Banken im Ausland nur noch auf  bedingtes Vertrauen treffen, sind auch Beteiligungen an internationalen Bauprojekten und solche mit ausländischer Beteiligung ins Wanken geraten. Das gigantische Projekt in der Serra do Marão im Norden, wo der längste Tunnel der Iberischen Halbinsel bis 2012 fertig gestellt sein sollte, ist gestoppt, ebenso der Bau an wichtigen Verkehrsadern im Alentejo, das seit Jahren versprochene Zentral-Krankenhaus im Algarve und ebendort die Schnellstraßen-Verbindung zwischen Sines und Lagos, sowie von Alcoutim nach Beja. An allen Projekten waren ausländische Firmen beteiligt, die nun Gewinnausfall-Ansprüche geltend machen. Portugiesische Unternehmen werden es indessen schwer haben, die Ausfälle zu kompensieren.
KUNST & KULTUR
KURZGEFASST
Der 43-jährige portugiesische Architekt Pedro Gadanho wird Kurator des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA). Ab 11. Januar ist Gadanho, der in Porto und im englischen Kent studierte, verantwortlich für Sammlung und Ausstellungen des MoMA in den Bereichen Architektur und Design, sowie für Museums-Förderprogramme für junge Architekten. Dazu gehört auch die Entwicklung der MoMA-Aktivitäten zu Berührungen zeitgenössischer Architektur mit anderen Kunstrichtungen. In seinem Blog teilt Gadanho regelmäßig Eindrücke über Architektur und Design mit seinen Lesern. 
Guimarães, europäische Kulturhauptstadt 2012, feiert den Eintritt ins neue Jahr auf besondere Weise: Die Stiftung Cidade de Guimarães beleuchtet am historischen Largo da Oliveira die Fassaden mit einer Video-Installation, die das Kulturjahr symbolisch vorbereitet. Nach dem zwölften Glockenschlag und dem Silvester-Feuerwerk beginnt in der Innenstadt eine große, thematisch-programmatische Neujahrs-Nacht, die bis vier Uhr früh Musik und Kultur vereint. 2012 möchte sich Guimarães vor allem der Verbindung von portugiesischer Kunst und Kultur mit Europa widmen. Zudem stehen gemeinsame Veranstaltungen mit der zweiten europäischen Kultur-Hauptstadt Maribor in Slowenien auf dem Kalender. Die Stadt sucht noch einige freiwillige Helfer für Events des Kulturjahres.
Das Papier-Museum in Santa Maria da Feira hat den portugiesischen Museums-Preis 2011 gewonnen. Vor zehn Jahren eröffnet, zeigt das Haus eine beeindruckenden Lehrschau über manuelle und industrielle Papierherstellung seit 1708. Ein Ehrenpreis des Museologen-Verbandes ging an das Aquário Vasco da Gama, 1898 gegründet und eines der ältesten Aquarien der Welt.
Mietrechtsreform vor dem Abschluss 
Nach Erörterungen unter Einbeziehung von Experten des Bau- und Wohnungs-Gewerbes, die die Amtszeiten von vier Regierungen überdauerte, will der Ministerrat in dieser Woche eine Mietrechts-Novelle verabschieden, die den Wohnungsmarkt verändern soll. Kernpunkt sind Altmieten, die meist sehr geringe Beträge ausmachen. Sie sollen schrittweise an aktuelle Preise angepasst werden, um den Eigentümern zu Kapital zu verhelfen, das dringend nötig ist, um die Altbau-Wohnungen zu renovieren. Deshalb soll das bisherige Verfahren zur sehr moderaten Anhebung der Mieten in Altbauten und Altverträgen abgeschafft werden, an seine Stelle tritt nach dem Willen der Regierung eine direkte Verhandlung zwischen Mieter und Vermieter über den Altbau-Wohnungspreis. Der Mieter soll eine ihm angemessen erscheinende, finanzierbare Summe nennen, die der Vermieter akzeptieren kann, aber nicht muss. In dem Falle folgt automatisch die Kündigung, bei der der Eigentümer dem Mieter eine Abfindung in Höhe des Sechzigfachen der vorgeschlagenen Miete zahlen muss. Im Fall von Mietern im Rentenalter oder mit Schwerbehinderten-Ausweis soll Mieterschutz gelten, doch nicht völlig ohne Mieterhöhung.
Wohnungsbau-Ministerin Assunção Cristas wollte sich nicht zu den bekannt gewordenen Plänen äußern, bestätigte nur, dass ihr Modell sich an Vorschlägen des früheren Premier-Ministers Pedro Santana Lopes aus dem Jahr 2005 orientiert. Die Reform des Mietrechts gehört zu den Forderungen der internationalen Finanzhilfe für Portugal. Doch sei es nicht möglich, diese Forderungen sämtlich durchzuführen, so die Ministerin. So kann ein Hausbesitzer langfristig säumige Mieter „nicht so einfach vor die Tür setzen, wie die Troika das möchte. Unsere Landes-Verfassung schreibt den Weg über ein Gerichtsurteil vor“, erläuterte die Ministerin. Doch soll ein solches Urteil künftig formlos gesprochen werden können, wenn Mieter über drei Monate hinweg ihrer Zahlungs-Pflicht nicht nachgekommen sind. Beobachter halten das neue Mietrechts-Konzept für ungeeignet, um den Markt beweglich zu gestalten. (Info und Links mit Simulationsrechnern für Immobilien-Bewertung, Mietspiegel, Zuschüsse gibt es auf der Webseite des Instituts für Wohnungs- und Wiederaufbau IHRU).
Das portugiesische Wort des Jahres 
Die Gesellschaft für Deutsche Sprache wählte den Begriff „Stresstest“ zu Wort des Jahres 2011. Auch in Portugal suchen Sprachgelehrte und Analysten des hiesigen Idioms nach einem Wort, das die öffentliche Diskussion des Jahres besonders prägte, ein wichtiges Thema repräsentiert oder charakteristisch für die Momentaufnahme der Gesellschaft ist. Lektoren und Redakteure des Wörterbuch-Verlages Porto Editora reichten Vorschläge ein. Derzeit liegt das Wort „austeridade“ mit weitem Vorsprung an erster Stelle; Porto Editora-Wörterbücher übersetzen dies mit „Härte, Strenge, Sparsamkeit, Sparpolitik“. Auf Platz Zwei folgt mit einigem Abstand momentan das Wort „charter“, gefolgt von „esperança“, „troika“, „fado“, „voluntariado“, „desemprego“, „sushi“, „emigração“ und „subsídio“ (Beihilfe, Hilfsgelder; Arbeitslosen- u. Sozialhilfe). 
Die Abstimmung zeigt, wie rasch sich eine veränderte Nachrichtenlage auf Wahrnehmung und Bewertung bestimmter Inhalte auswirkt: Noch vor einer Woche lag das Wort „troika“ an dritter Stelle und fiel bis heute auf Rang Vier. „Emigração“, vor wenigen Tagen von Regierungschef Pedro Passos Coelho als Ausweg aus der Krise empfohlen, kletterte danach vom letzten Rang weiter nach oben. Platz Eins, „austeridade“, hält seit Beginn der Abstimmung die Spitzenposition als „Wort des Jahres“ in Portugal – für die Mehrheit der Bevölkerung eher ein Unwort des Jahres. 
Im vergangenen Jahr erhielt die „Vuvuzela“ die meisten Stimmen, 2009 war es das Verb „esmiuçar“ (zerkleinern, haarklein untersuchen, zerpflücken). Die Polit-Satireshow Gatos Fedorentos, die im Wahljahr 2010 Politiker und deren Rhetorik zerpflückte, brachte dem äußerst selten benutzen Begriff höchste Popularität. Die Abstimmung über das Wort für 2011 läuft auf der Webseite der Online-Enzyklopädie Infopédia. Dort kann bis Jahresende jeder abstimmen.
Die emblematischste Rallye der Welt hieß einmal Paris – Dakar und wurde später durch Änderung der Route zu Lissabon – Dakar. Seit der Absage kurz vor dem Start des Rennens 2007 wegen angeblicher Sicherheitsmängel auf der Strecke durch Mauretanien wird das Rennen in Südamerika gefahren und Portugals Süden blieb zurück mit dem Traum von Dakar. 2010 sollte sich das ändern und auch an den beiden letzten Tagen dieses Jahres startet die Portugal Dakar Challenge, ein Rennen „mit sportlichem Anspruch, das aber auch als Zeitvertreib und touristisches Angebot verstanden werden soll“, sagt der Botschafter des Rennens, Paulo Futre. Der ehemalige Fußball-Profi von Sporting Lissabon und derzeit Portugals meistbeschäftigte Werbe-Ikone erklärt, „wer ein Allrad-Fahrzeug besitzt und durch die Dünen in den Senegal fahren will“, habe sich einschreiben können.  
Das Rennen startet am 30. Dezember in Cartaxo und erreicht am selben Tag Beja. Am letzten Tag des Jahres gibt es um 15.30 Uhr ein Zeitfahren im Offroad Park des Autódromo Internacional do Algarve in Portimão. Vor der Silvesterfeier können PS-Adepten die langstrecken-tauglichen Gefährte und ihre Piloten am südlichen Teil der Flaniermeile am Arade-Ufer besichtigen und befragen (17 Uhr – 20 Uhr). Die Fahrt nach Afrika beginnt am Neujahrstag ab zehn Uhr am Clube Naval in Portimão; zunächst geht es nach Rabat. Das Ziel am senegalesischen Lac Rose soll am 13. Januar erreicht sein.
Ein europäisches Problem 
Noch vor Jahresende will die Regierung Maßnahmen ergreifen, um die Abrechnung der Steuern für Familien-Unternehmen und andere kleine Firmen zu erleichtern. Es soll möglich werden, die Mehrwertsteuer IVA erst dann an den Staat abzuführen, wenn die Kunden ihre Rechnungen bezahlt haben. Das war ein Wahlversprechen der kleinen Koalitions-Partei CDS-PP. Immer mehr Unternehmen, insbesondere im Dienstleistungs-Bereich, kommen bei der Steuerzahlung in Verzug, da sie ihrerseits oft sehr lange auf die Zahlungseingänge warten müssen. Auch der Staat selbst gilt vielfach als säumiger Zahler an seine privatwirtschaftlichen Verkäufer und Dienstleister. Um die geplante Regelung zu ermöglichen, benötigt Portugals Regierung allerdings die Genehmigung der Europäischen Kommission, da die Maßnahme auch grenzübergreifende fiskale Verpflichtungen und Fristen beträfe. Die Mehrwertsteuer, eine allgemeine Verbrauchs-Steuer, unterliegt der EU-Hoheit. Eine solche Steuer-Vereinfachung ist in der EU bisher weder existent, noch vorgesehen. Finanz-Staatssekretär Paulo Núncio berichtete, es gebe aber ähnliche Vorstöße aus Estland, Schweden, Großbritannien und der Slowakei. Zahlreiche Kritiker vertreten unter anderem die Auffassung, ein IVA-Zahlungsaufschub könne zur Steuerflucht führen. Deshalb sollen Studien in anderen EU-Ländern die Funktionalität einer solchen Neuregelung prüfen. In Portugal sind die Untersuchungen bereits im Staatshaushalt für 2012 festgeschrieben. Eine rasche, europaweite Lösung ist nicht in Sicht.
Lukrativer Luxus 
Das Weihnachts-Geschäft geht schleppend seinem Ende entgegen, berichten Händler aus allen Teilen Portugals und dennoch sind die Verkaufszahlen etwas besser als noch vor vier Wochen befürchtet. Nicht nur für die Weihnachtszeit haben sich die Wirtschafts-Analysten von Cushman & Wakefield nun mit dem Handel befasst und festgestellt, dass Luxus-Boutiquen und andere Geschäfte mit teurer Marken- und Designer-Ware in den Einkaufs-Straßen der großen portugiesischen Städte nicht nur deutlich mehr werden: Der Handel in diesem Segment blüht und „entwickelt sich gegen den allgemeinen Trend im Handel positiv“, so das Ergebnis der Studie. Bisher hat dazu auch das heimische Publikum beigetragen, doch die Edel-Händler setzen vermehrt auf Touristen aus China, Indien, Russland und Brasilien, sowie aus einigen weiteren portugiesisch-sprachigen Ländern. 
Derzeit findet in den Städten eine Konzentration der Luxus-Läden statt, die Geschäfte sind meist in der selben Nachbarschaft vertreten. So erwirbt in Lissabon die Avenida da Liberdade wieder ihre alte Reputation als Luxusmeile der Hauptstadt mit 22 Nobel-Adressen wie Armani, Louis Vuitton, Gucci oder Prada – letztere verdankt nach eigenen Angaben bereits jetzt ihr Geschäfts-Volumen zu einem bedeutenden Teil den Kunden aus Asien. Die Nachbarschaft teurer Hotels begünstigt die Entwicklung, entsprechend passen auch Cafés und Restaurant in diesen Straßen ihr Image an die gehobene Kundschaft an. Cushman & Wakefield begrüßen die räumliche Konzentration und raten den Stadtverwaltungen, die Entwicklung durch spezielle Events mit einer Verbindung aus Kulinarik, Kunst und gehobenem Handels-Niveau zu fördern. Die Analysten raten vor allem Dingen den Städten Porto und Lissabon, sich als europäische Ziele für Shopping-Reisen zu vermarkten und internationale Kongresse und andere Veranstaltungen in den Städten als Plattform für den Luxus-Handel zu nutzen. Erste Gelegenheiten für Lissabon sollten das Volvo Ocean Race im Juni und das Tall Sips Race im Juli bieten.
Algarvestrände in Wort und Bild 
Das Tourismusamt der Algarve hat alle Freunde der Fotografie aufgerufen ihre schönsten Fotos von Stränden der Region einzusenden. Wer möchte, kann sich auch schriftstellerisch entfalten, denn Turismo do Algarve sucht ebenfalls interessante, kuriose, romantische oder auch einfach kleine Alltags-Geschichten über die Region. Der Wettbewerb wird im Rahmen der erneuten Wahl von Sieben Wundern veranstaltet, der im Lauf des Jahres 2012 die schönsten Strände des Landes bestimmen soll – städtische Strände oder wildromantisch unberührte, Felsenstrände oder Ufer hinter Dünengürteln, Talsperren- und Flussufer, aber auch Strände, die vor allem von Wassersportlern besucht werden. 
Praia da Marinha im Kreis Lagoa wurde vom
Michelin-Reiseführer unter die hundert
schönsten Strände der Welt gewählt 

FOTO: Luís da Cruz
Ausgewählte Fotos und Geschichten werden in einem neuen Blog mit dem Titel „As 1001 Praias do Algarve“ veröffentlicht, der ab 2. Januar online geht und die Bekanntheit der Strände, auch der wenig besuchten und abgelegenen Gestade, erweitern soll. Deshalb sind auch Beiträge über die Costa Vicentina im Westen und die Ria Formosa gefragt. Erzählungen, Berichte und kuriose Bilder bietet auch der bereits seit 2010 bestehende Blog des Tourismus-Amtes, der von Januar bis Ende April alle eingesandten Beiträge veröffentlicht. Die Beiträge werden auch auf Twitter und Facebook verlinkt. Wer sich berufen fühlt, kann seine Fotos und Geschichten per E-Mail an die Behörde senden.
Chinesischer Energiekonzern kauft EDP 
Die Privatisierung des portugiesischen Energie-Konzerns EDP ist entschieden: Den Zuschlag erhielt die chinesische Three Gorges Corporation, die in ihrer Heimat unter anderem den Drei-Schluchten-Staudamm im Jangtsekiang mit dem leistungsfähigsten Wasserkraftwerk der Erde betreibt. Im Rennen und den Zuschlag für die Mehrheitsanteile an EDP blieb der lange als Favorit gehandelte deutsche Energie-Riese E.on mit Sitz in Düsseldorf außen vor. Die EDP selbst hatte den Käufer mit Firmensitz im Pekinger Bezirk Haidian zuvor als Wunsch-Kandidaten genannt, weil E.on mit einer Vertrags-Klausel sicherstellen wollte, für den Fall eines sich verschlechternden Wirtschaftsklimas die Aktien frühzeitig abstoßen zu können. Der chinesische Mitbewerber verzichtete auf solche Bedingungen und so habe sich der portugiesische Ministerrat zu Gunsten von Three Gorges entschieden, erklärte die staatliche portugiesische Holding Parpública
Berichten zufolge habe E.on außerdem rund 200 Millionen Euro weniger als Three Gorges geboten. Der asiatische Stromgigant zahlt 3,45 Euro je Aktie (insgesamt handelt es sich um eine Kaufsumme von 2,693 Milliarden Euro für 780.633.782 Anteilsscheine). Damit liegt der Kaufpreis deutlich über der jüngsten Börsennotierung der EDP-Titel von 2,33 Euro pro Aktie. Der neue Hauptaktionär von EDP wird einen Kapitalanteil von 21,35 Prozent besitzen. Three Gorges will vor allem die Nutzung alternativer Energie-Quellen ausbauen und zunächst vier Milliarden Euro investieren. Zudem wurde der Kauf weiterer kleinerer Anteile an EDP-Windparks in Aussicht gestellt und der neue Investor kündigte den Bau einer Windturbinen-Fabrik an, über deren möglichen Standort nichts bekannt wurde. Die EDP-Privatisierung soll bis Ende Januar 2012 abgeschlossen sein. Portugiesische Wirtschafts-Analysten halten es für möglich, dass in der Folge der EDP-Anteilsübernahme auch chinesische Banken in Portugal Filialen eröffnen und China mit Krediten die Stabilität portugiesischer Banken fördern könnten.
Neue Einschnitte im Arbeitsrecht 
Zwei Tage vor Weihnachten erreicht Portugals Arbeitnehmer ein erneuter Tiefschlag: Die Regierung kündigte jetzt an, ab 2012 drei zusätzliche Ferientage zu streichen, die Arbeitnehmern seit zehn Jahren immer dann gewährt wurden, wenn bei ihnen über ein Jahr hinweg keine Fehlzeiten oder Krankheitstage entstanden waren. Die Maßnahme war 2002 als Anreiz eingeführt worden, Schlendrian und Blaumachen zu verhindern und mit der Aussicht auf 25 statt der gesetzlich festgelegten, mindestens 22 Tage Ferien die Arbeitnehmer vom Blaumachen abzuhalten. Der Urheber dieses Bonus, der damalige Arbeits- und Sozialminister António Bagão Félix, bekundete Verständnis für die neue Spar-Idee seiner Parteifreunde in der Regierung. Es sollte aber „klargestellt werde, ob die Streichung des arbeitsrechtlichen Vorteils zeitlich begrenzt oder definitiv sein soll“. Die aktuelle Ferienregelung sei „nicht förderlich für die Produktivität des Landes, das sich an der Praxis vergleichbarer Staaten orientieren muss“, lautet die Begründung der Regierung für den Fleißkärtchen-Schnitt. Der Ministerrat berät heute über den Gesetzes-Entwurf, der bis März kommenden Jahres in Kraft treten soll. 
Die Gewerkschaften sprechen von einen „sozial-terroristischen Akt“ und haben errechnet, dass portugiesische Arbeitnehmer durch diese und bereits beschlossene Maßnahmen wie die zur Erhöhung der Tages-Arbeitszeit und der Streichung von vier Feiertagen ab 2012 insgesamt etwa einen Monat pro Jahr mehr arbeiten müssen als bisher. Andere Entwicklungen wie Preissteigerungen beim alltäglichen Einkauf und bei den Energierechnungen, Streichungen von steuerlichen Absetzbarkeiten und die Anhebung der Mehrwertsteuer verursachten zusätzlich einen finanziellen Verlust von zwei bis drei Monats-Gehältern pro Jahr. Das „bedeutet, wir arbeiten künftig dreizehn Monate für den Lohn von neun bis zehn Monaten. Das kann wohl kaum für die Steigerung der Produktivität motivieren und trägt nicht zum Erhalt des sozialen Friedens bei“, resümiert eine Gewerkschafts-Sprecherin in Faro. Das Geld wird immer knapper, wie auch eine soeben von der Regionalen Entwicklungs-Kommission des Algarve CCDR veröffentlichte Zahl: Die Summe der Privat-Kredite in der Region entsprechen dem Gegenwert von 94,8 Prozent des Brutto-Sozialproduktes der Region im Jahr 2010.
Zug der Zeit 
 Nostalgisch, fahrtüchtig und auf der Suche nach einer Bleibe
Ein altes Bimmelbähnchen im Norden Portugals erhitzt die Gemüter. Nachdem die portugiesische Eisenbahn-Gesellschaft Caminhos de Ferro de Portugal (CP) die auf einem Gleis des Bahnhofs von Peso da Régua abgestellte Schmalspur-Bahn in ganz Europa Eisenbahn-Museen zum Kauf angeboten hatte, erhob die Europäische Föderation der Museums- und Touristik-Bahnen (FEDECRAIL) Protest und appellierte an alle, die das Angebot erhalten hatten, den Zug keinesfalls zu erwerben, denn „dieses Kultur- und Technik-Denkmal gehört zu Portugal“, sagt FEDECRAIL-Vize-Präsident Jacques Daffis, der über sechshundert Mitglieder-Organisationen vertritt. Ein Zug solle nur dann an ein ausländisches Museum abgegeben werden, wenn im eigenen Land keinerlei Möglichkeit zum Erhalt museale Gefährte bestehe.  
Der Schmalspurzug ist eine sehr gut erhaltene Rarität. Die Lokomotive wurde 1923 in Deutschland gebaut und als Teil der Reparations-Verpflichtungen nach dem Ersten Weltkrieg an Portugal übergeben. Die Lok funktioniere „wie am ersten Tag“, sagt ein Eisenbahn-Techniker am Bahnhof Régua; außerdem gibt es noch eine spanische Diesel-Lok, die CP 1970 gebraucht gekauft hat. Zu dem Zug gehören ein hölzerner Gepäckwagen, eine Zisterne und drei Passagier-Waggons, die europäische Eisenbahn-Geschichte repräsentieren:
Auf dem Weg zum Oscar 
Portugal hat den dokumentarischen und international gerühmten Film „José e Pilar“ von Miguel Gonçalves Mendes zur Kandidatur für den besten ausländischen Film beim Oscar-Komitee angemeldet. Nun kommt aus Los Angeles die Nachricht über die Wertschätzung der Musik zum Film über den im Juni 2010 verstorbenen Literatur-Nobelpreisträger José Saramago und seine Frau Pilar del Rio. Portugals Fado-Star Camané hat das Lied „Já não estar“ („Nicht mehr sein“) mit dem Text von Manuela de Freitas und der Musik von José Mário Branco gesungen und findet sich nun auf der Liste von 39 Titeln, die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für den Oscar 2012 in der Kategorie der besten Filmmusik in die engere Wahl gezogen wurden. Camané meint, das Lied sei eigentlich eher eine Ballade als ein typischer Fado, es beruhe auf „einigen Worten und Gedanken Saramagos“, der in dem Dokumentarfilm bekannte, er „habe auch ein paar Ideen für Lieder“. 
Der Fim selbst ist eine Zusammenführung großer Namen der Kulturszene, an seiner Produktion wirkten der brasilianische Starregisseur Fernando Meirelles und sein spanischer Kollege Pedro Almodôvar mit. In der Oscar-Konkurrenz um den besten ausländischen Film steht außer „José e Pilar“ ein zweiter portugiesischer Film: „Mistérios de Lisboa“ (Die Geheimnisse von Lissabon) des Regisseurs Raúl Ruíz nach der gleichnamigen Erzählung von Camilo Castelo Branco aus dem Jahr 1854. Dieser Film erhielt im vergangenen Jahr den französischen Prix Louis-Delluc für die beste Kinoproduktion des Jahres. Die Nominierungen für den Oscar werden am 24. Januar bekannt gegeben, die Verleihung im Kodak Theatre in Los Angeles findet am 26. Februar 2012 statt.
Ästhetische Kulinarik 
 Gastronomie und Landschaften
Im März werden im Pariser Varieté Folies Bergère die besten Koch- und Getränkebücher der Welt gewählt. Sechs Titel aus Portugal gehen ins Rennen, darunter „Porco alentejano, o senhor do montado“ („Schwein aus dem Alentejo, der Herr des Eichenwaldes“). Das gastronomisch-ethnografische Buch hat internationale Preise gewonnen und hofft nun auf den Titel als „weltbestes Buch“ seiner Kategorie. Das in Portugiesisch und Spanisch verfasste Album von Alberto Franco, Journalist aus Moura, mit Bildern des in Frankreich und den Niederlanden ausgebildeten Fotografen José Manuel Rodrigues sei „eine Einladung zu gastronomischen Schätzen und menschlichen Landschaften“, hieß es bei der Präsentation des Buches in Évora. Die Rezepte sind von Manuel Fialho. Das Buch befasst sich mit der Geschichte und der Umwelt des Porco Preto, dem typischen Nutztier des Alentejo. 
 Henrique Sá Pessoa
Papa Quilómetros“ des Chefkochs Ljubomir Stanisic soll in der Kategorie „Kulinarischer Reiseführer“ eine Auszeichnung erringen. Stanisic wurde in Belgrad geboren und gehört zu den besten Köchen in Portugal mit Restaurants im Lissabonner Bairro Alto und in Cascais. „Ingrediente Secreto“, die „geheime Zutat“ von Henrique Sá Pessoa, einem weiteren Vertreter des jungen avantgardistischen und dennoch bodenständigen Köche-Nachwuchses, startet in Paris als Preisträger der Auszeichnung für den besten Fernsehkoch in Portugal. Weiterhin sind in Paris die Bücher Bimby – Receitas com História und Do Convento para a Bimby“, vertreten, die hier zu Lande in den Kategorien „Image“ und „Nachspeisen“ siegten. Schließlich bewirbt sich „Cozinha com Ciência e Arte“ von Joana Moura, die sich der Erforschung der Molekularküche verschrieben hat (Fotos von Rita Silva) um internationale Anerkennung als Fachbuch für Berufsköche. Die Auswahl findet auf der Paris Cookbook Fair vom 7. – 12. März 2012 statt; auf deren Webseite führt das einzugebende Suchwort Portugal zu einem Überblick über interessante portugiesische Koch- und Küchenbücher, die in der Flut der Druckerzeugnisse im Buchladen übersehen werden, führt der Link www.cookbookfair.com/find.php (der Link ist nun deaktiviert, nachdem mir eine Leserin mitteilte, dass einige Virenschutz-Programme beim Anklicken eine Warnung schalten).
Pleitewelle rollt im Algarve 
Die Luxus-Ferienanlage Vale do Lobo blieb erstmals in ihrer fast fünfzigjährigen Geschichte die Zahlung von Mitarbeiter-Gehältern schuldig; im Fitness-Bereich der Anlage, die 2004 von der britischen Immobilien-Zeitschrift Homes Overseas zum besten Luxus-Resort weltweit erkoren wurde, gingen kürzlich die Lichter aus, weil die Stromrechnung unbezahlt blieb, berichten Lokalreporter. Im Hotel Montechoro in Albufeira warten die Angestellten seit drei Monaten auf ihre Bezahlung, zwölf Personen wurden entlassen. Auch im Quinta da Balaia, ebenfalls im bekanntesten Algarve-Badeort, steht der Lohn seit Monaten aus und das Hotel Navegadores will 25 Mitarbeiter entlassen, so, wie es zuvor bereits im Hotel Califórnia geschah. Dieses Hotel und viele weitere, nicht nur in Albufeira, bleiben überdies im Winter geschlossen, manche Häuser erstmals in ihrer Geschichte, andere „auf unbestimmte Zeit“. Und die Prognosen für den traditionellen Touristenstrom zum Jahreswechsel deuten bisher auf einen Schwund von nahezu einem Drittel gegenüber dem vergangenen Jahr.  
Lokalpolitiker warnen vor Passivität in der regionalen Förderung, denn nicht allein die Krise mit einer reduzierten Zahl von Gästen sei die Ursache für die Entwicklung, sondern auch „die Ignoranz der Lissabonner Politiker, mir der Sparhaushalte durchgepeitsch werden, ohne regionale Besonderheiten in der Kalkulation zu berücksichtigen“ sagt verbittert ein Sprecher im Rathaus von Loulé. Nicht nur der Tourismus leidet: Neuesten Meldungen aus dem Rat der Stadt Lagoa zufolge steht der dortige Weinbau-Betrieb UNICA - Adega Cooperativa do Algarve vor dem Konkurs. Und in der Fischerei sorgen sich die Mitarbeiter des staatlichen Infrastruktur-Unternehmens Docapesca, Europas größte Gesellschaft des Sektors, ob die gestern in Brüssel beschlossenen höheren Fangquoten den rapiden Niedergang des traditionellen und ältesten Algarve-Wirtschaftszweiges bremsen können.
Unter einem Dach 
Zum heutigen Internationalen Tag der Migranten, einem von den Vereinten Nationen ausgerufenen Aktionstag anlässlich der Unterzeichnung der „Internationalen Konvention zum Schutz der Rechte aller Migranten und ihrer Familienangehörigen“ vom 18. Dezember 1990, hat die portugiesische Beobachtungsstelle für Immigrations-Fragen (Observatório da Imigração) eine Untersuchung zur Wohnungs-Politik im Bezug auf Zuwanderer vorgelegt. Eine Wohnung oder ein Haus zu mieten oder zu kaufen, ist demnach für Immigranten wesentlich schwieriger als für Portugiesen. Die Frage der Unterkunft wurde allerdings erst sehr spät Gegenstand der Iimmigrations-Politik. Insgesamt habe sich die Wohnungs- und Wohnungsbau-Politik in Portugal restriktiv entwickelt und war seit den 1980er Jahren hauptsächlich durch staatliche Programme des sozialen Wohnungsbaus für die eigene Bevölkerung gekennzeichnet. Eine Dekade später, mit Beginn des Programa Especial de Realojamento (PER), habe sich die Situation zumindest formal geändert: Das PER-Programm koordiniert seit 1994 den geordneten Abriss von slum-ähnlichen Behelfshütten auf brachliegenden Grundstücken und die Umsiedelung derjenigen Bewohner in Sozialwohnungen, die dies bei der Stadt beantragen. Auch andere Siedler ohne festen Wohnsitz können seither eine Sozialwohnung beantragen, zwischen den Nationalitäten der Antragsteller wird kein Unterschied gemacht. Immigranten müssen sich legal in Portugal aufhalten – damit erhielten Einwanderer erstmals das Recht auf Wohnungslosenhilfe durch den portugiesischen Staat. 
Abschied von einer großen Künstlerin 
  FOTO: Nkrumah Lawson-Daku
Die kapverdische Sängerin Cesária Évora verstarb heute siebzigjährig in ihrer Heimatstadt Mindelo. Die schwergewichtige und stimmgewaltige Künstlerin gehörte zu den wichtigsten Vertretern der portugiesisch-sprachigen Musik und ihre Texte und Melodien waren nicht nur in Portugal Inbegriff der Tonkunst, Cesária Évora erlangte internationalen Ruhm und trat auf allen großen Bühnen der Welt auf, aber auch auf unzähligen kleinen. Sie trat fast immer ohne Schuhe auf, was ihre den Beinamen „barfüßige Diva“ brachte. Cesária Évora sang mit Peter Maffay, dem italienischen Barden Adriano Celentano und der kalifornischen Rhythm-and-Blues-Sängerin Bonnie Raitt, gewann einen Grammy und das, obwohl sie erst mit Ende Vierzig ihren ersten Plattenvertrag unterzeichnen konnte. 
Die Künstlerin wuchs in einer Musikerfamilie auf, ihr früh verstorbener Vater war Geiger, sie selbst trat schon als junge Frau in den Kneipen ihrer Heimat auf. Mit ihrem fünften Album Miss Perfumado erzielte sie 1993 Welterfolge und wurde als Königin der Morna, der bluesartigen, melancholisch-sehnsuchtsvollen Musik der Kapverden, Teil der Weltmusikszene. Begleitet von Gitarre, Akkordeon, Klarinette, Geige und Cavaquinho sang Cesária Évora mit ihrer sanften und gleichzeitig rauen Stimme von Schmerz und Lebensmut, Hoffnung und Wehmut. Während einer Tournee in Australien 2008 erlitt sie einen Schlaganfall, 2010 überstand sie eine Herzoperation, im September beendete sie ihre öffentlichen Auftritte. Sie arbeitete an einem weiteren Album, das ausschließlich mit zum Teil unbekannten Musikern ihrer Heimat aufgenommen wurde und 2012 fertig sein sollte. Cesária Évora starb an einer „akuten, schweren Herz- und Lungen-Schwäche“, so Alcides Gonçalves, Direktor des Hospital Baptista de Sousa.
 KURZ  GEMELDET
Von jeweils 100 Euro der Stromrechnung entfielen in diesem Jahr 44 Euro auf so genannte „Kosten allgemeinen Interesses“, darin enthalten sind Betriebskosten von Heizkraftwerken, Werbungskosten, Mieten für kommunale Einrichtungen und Beiträge zur Tilgung von Schulden des Energie-Versorgers EDP.  34 % des Endverbraucher-Preises entfallen auf die verbrauchte Energie, 22 % auf Stomnetz-Gebühren. Der überproportional hohe Anteil der allgemeinen Kosten gehe auf Gesetze zurück, die es ermöglichen, dem Kunden neben dem verbrauchten Strom ohne weitere Regulierung Nebenkosten in Rechnung zu stellen. Die Verbraucherschutz-Organisation DECO fordert, bis 2013 diese Nebenkosten um mindestens 10 % zu kürzen und die Erhöhung der Mehrwertsteuer IVA von 6 % auf 23 % rückgänging zu machen. 
Außer Schweden misst kein EU-Land seinen Immigranten so hohen Wert zu wie Portugal. Laut Migrations-Bericht 2011 des EU-Statistikamtes Eurostat nannten zwei Drittel der Portugiesen (70% der Schweden, in Deutschland etwa 50%) den Beitrag ausländischer Mitbürger für die Entwicklung des Landes „wichtig“. Generell sprachen sich Besserverdienende meist gegen weitere Immigration in ihre Länder aus. Befragte mit wirtschaftlichen Problemen machten Eingewanderte vor allem für nicht verfügbare Arbeitsplätze verantwortlich. In Portugal arbeitet ein Viertel der Immigraten unterhalb ihrer Qualifikation,
Offene Worte 
Der sozialistische Parlaments-Abgeordnete Pedro Nuno Santos weist Portugal den geraden Weg aus der Schuldenkrise: „Wir zahlen nicht!“. Bei einem Weihnachtsessen seiner Partei in Castelo de Paiva hatte Santos erklärt, er pfeife auf die Gläubiger und werde diese Haltung auch als Politiker und Abgeordneter vertreten. Es sei ihm egal, verantwortungslos genannt zu werden. Santos will kein „Europa, in dem wir sagen: 'Keine Sorge, wir zahlen, selbst wenn unser Volk dabei verhungert'.“ Die Regierung habe die zuförderste Aufgabe, dem Wohle des Volkes zu dienen und nicht an „deutsche oder französische Banken zu denken“. Es sei eine „Atombombe in unseren Händen, die wir nutzen sollten und sagen: 'Wir bezahlen  nicht'“. Die Länder hätten Kredite unter den ihnen bekannten Bedingungen vergeben und das Risiko gekannt. 
Karikaturisten setzen ins Bild, wie einige Politiker
über Portugals Lage in der EU denken
FOTOMONTAGE: wehavekaosinthegarden
Heute relativierte der Politiker seine Wortwahl: Er habe auf der Feier „sehr starke Metaphern benutzt“, vertrete aber nach wie vor die Auffassung, eine Zahlungs-Verweigerung als Verhandlungs-Instrument einzusetzen. Wenn die Nichtzahlung als mögliches Szenario gelte, dann „zittern den deutschen Bänkern die Knie“, hatte der Politiker auf der Weihnachtsfeier gesagt und wohl vergessen, dass der lokale Radiosender Rádio Paivense FM die Veranstaltung aufzeichnete. 
Bereits vergangene Woche hatte Ex-Premier José Sócrates, derzeit als Student in Paris, in einem Interview erklärt, Staatsschulden abzuzahlen sei „eine kindische Vorstellung“. Auch Sócrates relativierte später seine Aussage: Er habe sagen wollen, dass die „Idee, man könne Schulden mal eben so einfach und ohne Probleme abzahlen, der Vorstellungskraft eines Kindes entspricht“.
Kommen und Gehen 
Der Softwarehersteller SAP aus Walldorf in Baden hat Portugal als Standort für ein transkontinentales Service-Center gewählt. SAP, Europas größter Hersteller von Computer-Software, will von hier aus Kunden in 22 Ländern in Europa und Afrika, später auch in Lateinamerika beliefern und unterstützen. Das Kundenbetreuungs-Zentrum soll in ersten Halbjahr 2012 seinen Betrieb aufnehmen und zusätzlich zu der in die Ferne gerichteten Logistik auch portugiesischen Firmen bei der Entwicklung und Markteinführung innovativer Computer-Technik behilflich sein. SAP-Ressortchef José Duarte erklärte, Portugal besitze „wichtige Vorteile für die Entwicklung des Wettbewerbs durch seine geografische Lage, Infrastruktur, wettbewerbsfreundliche Kosten und die große Zahl von gut ausgebildeten Informatikern, sowie eine klare Öffnung gegenüber anderen Kulturen“. 
Der japanische Autobauer Nissan hat hingegen die Pläne für eine neue Fabrik zur Produktion von Ladevorrichtungen für Elektro-Fahrzeuge und die Weiterentwicklung des in Portugal entwickelten MOBI.E-Lade-Netzwerk vorerst auf Eis gelegt. Die Industrie-Anlage sollte mit einer Investition von 156 Millionen Euro in der Nähe von Aveiro entstehen. Nissan erklärte, die bereits bestehenden vier Fabriken weltweit reichten derzeit aus, um der Nachfrage zu genügen. Eine jüngst häufig beklagte Unfähigkeit Portugals, ausländisches Kapital anzuziehen, sei keineswegs der Grund für den Rückzieher, so das japanische Unternehmen.
Das Sparprogramm macht Schule 
Das Programm Novas Oportunidades, von der früheren sozialistischen Regierung José Sócrates auf den Tag genau vor sechs Jahre vorgestellt, wird stufenweise beendet. Die „Neuen Möglichkeiten“ gestatten Erwachsenen das Nachholen eines in der Jugend versäumten Schulabschlusses. In einer später hinzugefügten Variante können im Beruf erworbene Qualifikationen in eingeschränktem Umfang als Äquivalent zum Schulabschluss anerkannt werden. Nuno Crato, Minister für Bildung und Wissenschaft, hat nun die Schließung einiger Centros Novas Oportunidades (CNO) angeordnet. In Faro wird das CNO aufgelöst, das der Hotelfachschule (Escola de Hotelaria e Turismo) angegliedert ist. Die Schließung betrifft neun Ausbilder und rund 11.000 Schüler, die Kurse für Küchenpersonal, Kellner, Barkeeper und Mitarbeiter von Hotel-Rezeptionen besuchen. Crato hatte im August eine Kommission gegründet, die prüfte, inwieweit der Besuch der CNO-Kurse die (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt fördere. Dort, wo der Erfolg „sehr begrenzt“ ausfiel, folgt nun das Aus, wie in Faro auch für CNO in Coimbra und Lissabon; weitere dürften folgen. Die CNO gehörten zu den bildungs-politischen Marksteinen der früheren Regierung, entsprechend heftig ist nun der Protest der sozialistischen Partei. Jeder Schüler hätte den Staat „nicht mehr als 180 Euro gekostet“, so Miguel Freitas von der PS im Algarve. Die erwachsenen Schüler „verbinden mit den Kursen die Hoffnung auf eine bessere soziale Zukunft“.  
Minister Crato will auch die regulären Schulen reformieren. Crato, Professor für Mathematik und seit Jahren als Kritiker des Bildungssystems bekannt, hatte bei vielen Lehrern und Schulleitern Hoffnung auf eine Aufwertung der Bildungspolitik und ihrer Inhalte geweckt. Inzwischen verlor er die Sympathie. Nun will er Unterrichtsstunden kürzen und Fächer neu verteilen, sowie den Stundenplan der Lehrer ändern. So werden im Schuljahr 2012/13 weniger Pädagogen beschäftigt. Dies betreffe rund 2.600 mit Jahresverträgen angestellte Lehrer, nicht aber diejenigen, die fest zum Kollegium einer Schule oder einer Region gehören.
Maut-Gefechte 
Die Nationalgarde GNR suchte das Gespräch mit einem Redakteur der Nachrichtenagentur LUSA, um den Zorn von Bürgern über die seit dem 8.Dezember wirksame Autobahn-Maut zu kommentieren: Personen seien „ja nicht gefährdet, die brauchen keine Angst zu haben, es geht nur um die Maut-Radare“. Gerade war ein Mitarbeiter der Straßenwacht durch Glassplitter verletzt worden, nachdem Unbekannte mit einem Jagdgewehr auf die Radaranlage bei Guia an der Algarve-Autobahn A22 geschossen hatten und dabei auch ein Auto der Straßenwacht trafen. Die war anwesend, weil die Radaranlage brannte – auch dies Folge einer Sabotage. Die Kriminalpolizei ermittelt in dem Fall und sie hat noch mehr zu tun: Bereits am Montag war in der Nähe von Boliqueime eine Kamera zur Erfassung der Fahrzeuge durch Schüsse beschädigt und eine nebenstehende Computer-Anlage in Brand gesteckt worden. Die Agentur für Straßen-Verwaltung Estradas de Portugal meldete umgehend, die Anlage sei beschädigt, aber nicht außer Betrieb: Autos würden ordnungsgemäß registriert und zur Mautzahlung verpflichtet. Vandalismus hätte keine Auswirkung auf die Gebühren-Erhebung. Wer die Mautstelle passiere, müsse zahlen und wer keinen Chip an der Windschutzscheibe habe, erhalte einen Zahlschein zur Begleichung bei einem Postamt (diese Zahlungsweise verteuert sich um eine Verwaltungs-Gebühr). Nichtzahler werden automatisch mit einem Bußgeld in Höhe der zehnfachen Gebühr belegt, mindestens aber mit 25 Euro. 
In den ersten drei Tagen nach Beginn der Mautpflicht wurden über 336.000 Sonder-Genehmigungen erteilt. Begünstigt sind Privat- und Firmenwagen, derern Eigentümer eine ständige Adresse in Autobahnnähe nachweisen. Sie erhalten zehn Freifahrten und Rabatt auf alle weiteren Fahrten. Ob die Maut langfristig die Autofahrer auf Nebenstraßen treibt, sollen Verkehrs-Zählungen zeigen. Gewinner der Gebühr ist heute bereits der Maut-Verwalter Via Verde, der in wenigen Tagen mehr als 22.000 Chips zur Kfz-Erfassung verkaufte. Ein Leser der Tageszeitung Público will wissen, wer „die exorbitanten Streckenpreise festgelegt hat“. In der Slowakei sei er zum Preis von „fünf Euro eine ganze Woche über Autobahnen gefahren und in Österreich für sieben Euro sogar zehn Tage lang. Dort kostet eine Jahres-Vignette für Pkw 78 Euro“, doch in Portugal müsse ja „ein umständliches Erfassungs- und Bezahlsystem finanziert werden“.
Die Polizei warnte vor einer weiteren, populär werdenden Methode zur Gebühren-Einsparung: In den vergangenen Tagen wurden allein im Raum Olhão dreißig Nummernschilder von Pkw abmontiert: Das Schild ist weg, die Mautrechnung für nicht selbst gefahrene Kilometer liegt demnächst im Briefkasten.
Weihnachts-Kunst 
Praça do Chile: Regenschirm-Baumkugeln der Künstlerin Catarina Pestana 
Marquês de Pombal: Weihnachts-Schilderwald des Architekten Pedro Sousa
Praça de Londres: Roter Lichterbaum des Architekten José Adrião
Praça da Figueira: Leuchtende Sterne des Industrie-Designers Pedro Sottomayor
Während der Wettstreit um immer mehr immer buntere und immer ausgefallenere Weihnachts-Beleuchtung jedes Jahr neue Rekorde brach, überbieten sich die Städte in diesem Jahr bei dem Versuch, ihre Straßen so preiswert und schlicht wie möglich zu schmücken. Fast überall wurde es den Landen-Besitzern überlassen, gemeinsam für ein bisschen Tannengrün mit Kerzen und Glöckchen zu sorgen. Der Rat der Stadt Lissabon hatte schon im August bekannt gegeben, er habe dieses Jahr kein Geld fürs weihnachtliche Lichtermeer und entschied, Künstlern die Gestaltung wichtiger Straßen und Plätze zu überlassen. Das Ergebnis, eine Auswahl von sieben Werken aus eingereichten 25 ist nun da: Der Largo de Camões, die Rua Augusta gegenüber dem Museu do Design e da Moda (das die Stadt bei dem Projekt unterstützte), Praça da Figueira, Rossio, Praça do Chile, Marquês de Pombal und Praça de Londres stellen überdimensionale Weihnachts-Kunst zur Schau. In der Krise sei es „besser, wenig zu machen, das aber gut“, so Bürgermeister António Costa. Am Praça de Camões werden Passanten selbst zum Kunstwerk, die sich dort eine rot blinkende LED-Nadel ans Revers stecken lassen.
Richtungsweisend 
Portugal solle sich auf die Kapazitäten der Städte konzentrieren und Netzwerke ausbauen, um mehr ausländische Investoren anzuziehen. Das ist das Postulat einer Studie des Wirtschafsprüfer- und Unternehmensberater-Konsortiums Ernst & Young über die Zugkraft Portugals als ökonomischer Standort (Ernst & Young Portuguese Attractiveness Survey 2011). Im vergangenen Jahr seien diese Sektoren vernachlässigt worden, sodass das ausländische Investitions-Volumen um 46 Prozent gegenüber 2009 sank und den niedrigsten Stand in sieben Jahren erreichte. Ernst & Young sehen das geringe Wirtschaftswachstum, steigende Steuern und die hohe Staatsverschuldung als wichtige Gründe für die Zurückhaltung ausländischer Investoren, doch steht Portugal in dieser Entwicklung nicht alleine da, sondern integriert sich in einen EU-weiten Trend: Auch Italien (-53%) und Großbritannien (-35%) verloren an Attraktivität auf den internationalen Märkten, wo die USA (+43,3%) und Brasilien (+16,3%) die höchste Zunahme der Auslands-Investitionen verbuchten.
Im Hinblick auf Portugal sprachen Ernst & Young seit Jahresbeginn mit 207 Unternehmens-Leitern, die im Rahmen des European Investment Monitor als repräsentativ für die Fragestellung angesehen werden. Die Manager und Direktoren nannten die Niederlande vor Irland und Belgien als attraktivste Länder für die Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten im kommenden Jahr. Portugal landete auf dem letzten Platz und die Wirtschafts-Praktiker sehen hier gerade das als notwendig an, was im Konsolidierungs-Verfahren der portugiesischen Regierung und der internationalen Finanzhilfe zu kurz kommt: Steuersenkung, sowie Förderung und leichterer Zugang zu Krediten für kleine, mittlere und innovative Unternehmen und für Industrie-Zweige, die hochspezialisierte Technologien bereit stellen, außerdem der Ausbau der städtischen Infrastruktur und mehr internationale Hochschul-Kooperation. Wenn das Geld knapp werde, müsse Portugal auf qualitäts-orientierte Förderung achten und besonders die Bildung ins Visier nehmen, denn es sei „wichtig, gut ausgebildetes Human-Kapital zu erlangen“. Entwicklungsfähige Sektoren in Portugal sind demzufolge der Tourismus, Informations-Technologien, Energie und alle maritimen Wirtschaftszweige. Änderungen im Arbeitsrecht bezeichneten gerade mal zwei Prozent der Befragten als wichtig.
KURZ GEMELDET
Die portugiesische Staatsbank erklärte in einem Liquiditäts-Bericht, die privaten Sparer sorgten mit ihren Einzahlungen dafür, dass die Banken 2011 in ausreichender Menge Geld für Kredite an Unternehmen flüssig hatten und nicht auf staatliche Garantien zurückgreifen oder eigene Anlagen vorfristig kündigen mussten. 2011 kamen die Kredite für Firmen dem Gegenwert von 7% des Brutto-Inlandsproduktes gleich. Um diesen Kreislauf bis 2014 aufrecht zu erhalten, seien allerdings Beiträge aus den Unternehmen selbst notwendig, da die Banken in Erfüllung der Auflagen der Troika bis 2014 ihre Unternehmens-Finanzierung um insgesamt 1,5 Milliarden Euro kürzen müssen. Die Zahl der Konkurs-Anträge sank in einem Jahr um 3,84%. Die Wirtschaft erholte sich in den Bezirken Aveiro, Braga, Coimbra und Porto. In Leiria, Lissabon und Faro stieg hingegen die Zahl der Pleiten.
Portugals Haushalte zahlen 2012 die höchsten Strompreise in Europa. Die Kosten wären noch höher, würden im Schnitt um bis zu 27% steigen, hätte die Regierung nicht die Anpassung und damit die Erhöhung der Strom-Nebenkosten bei Netzbetreibern und Stromversorgern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und damit ein Versprechen der vorherigen Regierung aufgehoben. Der Schritt zur relativen Strompreis-Stabilität erhöht allerdings das Haushalts-Defizit Ende kommenden Jahres um 2,8 Millarden Euro.
86% der über 15-jährigen portugiesischen Verbraucher besitzen eine Debit-Karte und nahezu alle benutzen sie praktisch täglich. Während diese Angaben seit Jahren unverändert sind, sank 2011 erstmals die Zahl der Transaktionen mit Kreditkarten um 15%. Laut einer Veröffentlichung des Finanz-Dienstleisters MasterCard sank der Kreditkarten-Einsatz unter das Niveau von 2008. Gleichzeitig gaben immer mehr Portugiesen ihre Kreditkarte zurück und es gab weniger Anträge auf Neu-Emissionen.
Die portugiesische Fluggesellschaft TAP will den Airport in Beja als Parkplatz für wartungsbedürftige Flugzeuge mieten, die längerfristig außer Betrieb gestellt oder später in den Werkstatt-Anlagen der TAP in Lissabon ausgebessert werden. Ferner will die TAP vermehrt Frachtflüge und Transporte für die Luftftahrt-Industrie über Beja abwickeln. Im November wurde berichtet, die süd-koreanische Regierung wolle in Beja eine Trainingsstätte für Armee-Piloten einrichten. Die Wohnungen der früheren Militär-Airbase Nr.11 könnten als Unterkunft für die Angehörigen der südkoreanischen Familien dienen. Verträge wurden noch nicht unterzeichnet. Die Verhandlungen mit Billigflug-Linien für Starts und Landungen in Beja verlaufen weiterhin schleppend.
Der Weihnachtsmann lebt in Óbidos
Eine Spielzeugfabrik, geschäftige Elfen und Weihnachtsboten, Kuchen und Kekse in Form von Engeln und Sternen, geschaffen von Konditoren, ein großer, bunter Weihnachts-Jahrmarkt und eine Ausstellung, die den Protagonisten gleich 1001 Mal zeigt: Es scheint, der Weihnachtsmann habe sein Domizil am Nordpol aufgegeben und sei nach Portugal umgezogen oder hat hier zumindest einen Zweitwohnsitz, an dem er bis 3.Januar jedermann Einlass gewährt, von vormittags bis in die Nacht, auch an den Weihnachts-Tagen und zum Jahreswechsel: Das mittelalterliche Óbidos ist einen Monat lang „Vila Natal“, Portugals Weihnachts-Städtchen, voller Zauber und Fantasie, mit nationalen und internationale Traditionen des Weihnachtsfestes zum Zuschauen und Mitmachen. Und es gibt Schnee, eine Schlittschuhbahn und eine Eis-Bar – ein Bar aus Eis. In Kinderträumen erwachen Puppen und Stofftiere zum Leben; in Óbidos ist die Szenerie real, in diesem Jahr ganz modern und mit viel technischem Zeitvertreib, nachdem sich die Vila Natal in den vorigen Jahren stets weihnachtlich-romatischen Märchen und Sagen gewidmet hatte. Die Weihnachtsstadt auf zwei Hektar begrüßt an die zweihunderttausend Besucher aus dem In-und Ausland im „ersten, ganz dem Weihnachtsfest gewidmeten Themen- und Ereignispark in Europa“, so Bürgermeister Telmo Faria. Óbidos selbst hat gerade mal dreieinhalbtausend Einwohner.
Der Müll, die Stadt und die Juristen 
Die städtische Müllabfuhr in Lissabon untersucht Mülltüten, die nicht in den Abfall-Containern gelandet sind, sondern in deren Umgebung, an Straßenecken und in Papierkörben. So sollen Hinweise auf den Besitzer des Abfalls gefunden werden, dem dann ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen die kommunale Müllverordnung und Umwelt-Verschmutzung zugestellt wird. Die Verwaltung der Hauptstadt hat dieses Jahr bereits rund 920.000 Euro an Bußgeldern kassiert, doch was nach konsequenter Straßenreinigung aussieht, beschäftig nun Juristen, denn Verursacher des Abfalls beklagen, die Müllsack-Prüfung sei ein Eingriff in ihre Privatsphäre
Die Strafen für wild entsorgten Haushaltmüll
betragen zwischen 24,25 Euro und 97 Euro
Der Jura-Professor Luís Menezes Leitão hat sich mit dem justitiablen Kehricht befasst und erklärt, der Stadtrat mache sich mit der Tütenprüfung strafbar. Mit seiner Abholung gehe der Müll zwar in das Eigentum des Abfallverwerters über, doch nur zum Zweck der Entsorgung und Verwertung in Recycling-Verfahren, aber nicht um mit dem Inhalt der Tüten Personen zu identifizieren. Wenn die Stadt Briefumschläge in einem Müllsack findet, darf sie die nicht als Information über die Herkunft des Mülls verwenden, denn die Beschaffung war illegal. Außerdem sei nicht sicher, was der Inhalt der Mülltüte tatsächlich aussage, so Menezes Leitão und führt den Fall einer Frau an, deren Müll in der Nähe eines Containers gefunden wurde, wohin der Abfall allerdings nicht durch die Eigentümerin des Mülls, sondern durch ihre Haushaltshilfe gelangt war. Seit bekannt wurde, dass die Müll-Eigentümersuche der Stadt Legalitätsmängel hat, werden die Bußgeld-Bescheide meist ignoriert. „Wenn die Leute ihren Abfall ordnungsgemäß entsorgen würden, wäre der ganze Streit gegenstandslos“, meint ein Sprecher der Lissabonner Müllabfuhr.
Der erste Tag mit der Maut 
Transportfirmen werden schließen, ihren Unternehmenssitz nach Spanien oder Frankreich verlegen und in Portugal Beschäftigte entlassen. Diese Perspektive des Sektors im Norden Portugals beschreibt ein Sprecher der Firma Patinter in Mangualde als Konsequenz der seit heute wirksamen Maut-Pflicht auf den bisher kostenfrei befahrbaren Autobahnen. Das Unternehmen besitzt 1.200 Lkw, von denen täglich zweihundert auf Portugals Autobahnen fahren. Das versursache Mautkosten von bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr. Patinter will die Kostenentwicklung mit den Kunden beraten und gemeinsam Lösungen suchen. 
Der Beginn der Mautpflicht gestaltet sich auch andernorts schwierig: Seit Bekanntgabe der Gebührenordnung am Montag stürmten Autofahrer besonders im Algarve die Verkaufsstellen des Maut-Verwalters Via Verde und die Postämter, die gleichfalls Lesegeräte für die Windschutzscheibe verkaufen. Der Run verursachte Warteschlangen: Wer zur Post kam, egal ob er einen Maut-Chip oder Briefmarken haben wollte, musste mit zwei Stunden Schlangestehen rechnen. In Portimão gerieten die Postkunden zeitweise verbal aneinander, weil viele nicht verstehen, warum Kfz-Besitzer mit dem Kauf des Chips so lange warteten. Die staatliche Agentur für die Straßen-Verwaltung Estradas de Portugal stellt unterdessen für einige Tage Mitarbeiter an die Grenze, die Reisenden aus Spanien die neuen Modalitäten erklären sollen (ausführl. Erläuterungen des Verkehrsministeriums hier). Redakteure der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA stellten sich dazu und befragten die Autofahrer: Portugals Nachbarn sehen sich erheblich in ihrer Freizügigkeit auf portugiesischen Straßen eingeschränkt. In grenznahen Gebieten bestehen häufig verwandschaftliche Beziehungen oder enge Freundschaften, die „wir jetzt wohl nicht mehr mit regelmäßigen Besuchen pflegen können“, sagt Inés Baroja, deren Tante nahe Vilar Formoso lebt. Rodrigo Vicente aus Sevilla studiert auf der Landkarte die Nationalstraßen, um die Autobahnen zu umfahren, denn sonst werde die Strecke „viel zu teuer. Portugal wird sehr viel verlieren durch diese Maut, auch in den Handels-Beziehungen“, meint er. Es „wäre besser gewesen, höhere Steuern auf Tabak und Luxusgüter zu erheben“.  
Die in umgekehrte Richtung fahrenden Portugiesen betonten ebenfalls mehrheitlich, verstärkt auf Nebenstraßen auszuweichen, wenn sie nach Spanien fahren, was sich „noch immer lohnt für viele Einkäufe und fürs Tanken“, sagt eine Autofahrerin aus Faro. Während im Umland der Autobahn A23 bereits heute, trotz des ruhigen Feiertags-Verkehrs, mehr Kfz gezählt wurden als vor der Maut-Einführung, war es auf der Algarve-Autobahn A22 am heutigen Feiertag nicht möglich, Tendenzen zur Nutzung der nun gebühren-pflichtigen Via do Infante zu erkennen. Reale Zahlen zeichnen sich erst in der kommenden Arbeitswoche ab.
Räume für die Kunst 
Wer mit offenen Augen durch den frühwinterlich unaufgeregten Alltag von Lagos spaziert, stößt vielleicht irgendwann auf ein Plakat, das nicht der Mühe wert scheint, es zu lesen. Allerdings - es hängt nicht nur hier. Dort ist es schon wieder. Und da! Noch eines ... Möglicherweise handelt es sich um etwas Aktuelles? Ein Spaziergang mit dem Künstler Timo Dillner durch Lagos und zur Kunst-Biennale „MALA - Mostra de Artistas de Lagos“, die derzeit dort zum vierten Male stattfindet und eine der größten und umfangreichsten Biennalen im Algarve ist.
Sehr wichtig kann das dort Beworbene nicht sein. Sonst hätte man sich doch die Mühe gemacht, es lesbar und vielleicht sogar attraktiv zu gestalten?, frage ich, es ist wirklich kein nützliches Plakat. „Etwas für die Schublade der Ewigen Vergessenheit oder den nächsten internationalen Plakat-Designer-Preis“, meint Timo Dillner. Eigentlich aber spricht das Plakat Leute an, die ohnehin wissen, worum es geht. An allen anderen geht es vorbei. „Was schade ist, denn es geht um Kunst“, noch bis zum Ende des Jahres und zeitgleich an vier verschiedenen Orten in der Stadt.
Die MALA wurde erstmals im Jahr 2005 veranstaltet. Aus der engagierten Idee der damals Kulturverantwortlichen, die Künstler der Region zu fördern und durch eine offizielle und nicht kommerzielle Ausstellung in ihrem Tun zu ermutigen, entstand eine feste Institution. Im Kulturzentrum von Lagos, der Alten Stadtverwaltung, dem Museum in der „Goldenen Kirche“ Santo António und der kleinen Befestigung Fortaleza Ponta da Bandeira an der Flussmündung kann man betrachten und erleben, was die kreativen Köpfe der Region unter Kunst verstehen. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, Konzerten und Diskussions-Runden.
Teilnehmen darf jeder Kunst- und Kulturschaffende, der im Concelho de Lagos lebt und arbeitet. Gezeigt werden ausgewählte Werke der jeweils vergangenen zwei Jahre. Die Spanne des Dargebotenen reicht von Grafik, Malerei und Skulptur über Video, Fotografie und Installation bis hin zu Musik und Theater.
Es sind nicht die besten, berühmtesten, kühnsten, innovativsten oder preisgekröntesten Werke und Autoren, die sich hier präsentieren. Nein, es handelt sich - wie im Titel der Ausstellung bereits anklingt - um ein Zeigen. Objektiv und wertungsfrei. Möge der Betrachter sich sein eigenes Urteil bilden.

Konsequenzen 
Die Ankündigung der Rating-Agentur Standard & Poor’s, die Bonität bisher als stabil geltender Länder niedriger zu bewerten, trifft auch Portugal: Sollten die Agenturen flächendeckende Abstufungen vornehmen, belastet das den EU-Stabilitätsfonds und in der Folge stünden Portugal erneut höhere Kredit-Zinsen am Finanzmarkt und aus dem Rettungsfonds bevor. Der von der EU gehaltene Rettungsfonds kann bisher mit seiner höchsten Rating-Einstufung AAA Kredite an den Finanzmärkten zu vorteilhaften Bedingungen erhalten und entsprechend günstig an die unterstützten Länder weitergeben. Bisher hat der Fonds zwei Kredite an Portugal vergeben: 2,2 Milliarden Euro mit 5-jähriger Laufzeit und einem Zinssatz von 5,32 Prozent, sowie 3,7 Milliarden Euro über zehn Jahre zu 6,08 Prozent Zinsen. Die nun drohende erneute Verschlechterung der finanziellen Lage könnte auch den sozialen Frieden im Lande belasten: Heute erklärte die OECD, Portugal gehöre noch immer zu den Ländern mit dem höchsten Lohngefälle, dennoch sei in den vergangenen Jahren der Weg zum Ausgleich dieser Disparität erfolgreicher absolviert worden als in anderen Ländern. Portugal habe „in vier Jahren mehr erreicht als Griechenland in zwanzig Jahren“, so der Bericht, der weiter bescheinigt, dass gegenwärtig in allen OECD-Mitgliedstaaten der größte Einkommens-Unterschied zwischen Arm und Reich seit dreißig Jahren herrscht. In Portugal sei in diesen drei Dekaden aber durch die Entwicklung der Sozialpolitik und die Einführung des staatlichen Mindestlohnes mehr Lohn-Gerechtigkeit geschaffen worden, wenn auch auf einem niedrigen Niveau.
Gebühren festgelegt
Der Erlass über die Gebühren auf Portugals Autobahnen wurde heute im Gesetzblatt Diário da República veröffentlicht (Portaria 303/2011 de 5 de Dezembro)
Sozialversicherung in Nöten 
Der Pensionsfonds Fundo de Estabilização Financeira da Segurança Social (FEFSS), in dem die staatliche Sozialversicherung die Gelder für die Renten verwaltet, hat in den Monaten Oktober und November durch die finanzkrisen-bedingte europäische Schuldenlage rund 171 Millionen Euro verloren: Die Investitionen der Sozialversicherung Finanzmarkt-Produkte, die nicht einmal spekulativer Natur waren und nicht nur innerhalb Portugals getätigt wurden, haben die Verluste verursacht. Im vergangene Woche verabschiedeten Staatshaushalt für 2012 ist daher eine Vorsichts-Maßnahme eingebaut: Dann darf die Segurança Social nur deutlich weniger zur Stützung der nationalen Finanzen beitragen und muss die Investitionen in portugiesische Staatsanleihen um 48 Prozent kürzen
Die Ausgaben der Sozialkasse nehmen währenddessen zu: Seit September stieg die Zahl der neu gemeldeten Arbeitslosen um 56 Prozent im Vergleich zu 2010, das ist eine der höchsten Steigerungen seit Mitte der 1970er Jahre. Die gezahlten Sozialleistungen nahmen seit 2010 um 45,5 Prozent zu und wären noch höher, wenn nicht bereits deutliche Kürzungen im sozialen Sektor wirksam geworden wären. Es gibt derzeit in Portugal rund 700.000 Arbeitslose, davon etwa 19.150 Ausländer; Brasilianer an erster Stelle, gefolgt von Arbeitnehmern aus anderen portugiesisch-sprachigen Ländern und knapp dreitausend Osteuropäern. Seit 2010 verringerte sich die Zahl der ausländischen Arbeitslosen um 13,5 Prozent. Nicht bekannt ist, inwieweit dies auf eine Wieder-Eingliederung in den Arbeitsmarkt zurückzuführen ist oder ob die Betroffenen in ihre Heimat zurückgekehrt sind. 
Die Sozialversicherung will nun bei einer Million Leistungs-Empfängern überprüfen, ob Familien-Einkommen, angespartes Vermögen und Lebenssituation unverändert sind. Auch ausstehende Beiträge werden verschärft eingetrieben. Wenn säumige Zahler von sich aus zu Nachzahlung bereit sind und nicht auf den Beginn einer formalen Untersuchung warten, wird die Frist für Nachzahlungen auf zehn Jahre verlängert. Für 2012 rechnen Regierung und Segurança Social mit einer Zunahme an Prozessen gegen Unternehmen, die die Beiträge ihrer Mitarbeiter nicht fristgerecht abführen.