Gute Nacht! 
Den Impuls gab, wie so oft, eine Statistik: Vier von zehn Paaren in Portugal verlieren laut einer von medizinischer Forschung gestützten Daten-Erhebung pro Nacht zwischen einer und fünfzehn Minuten Schlaf, weil der Partner schnarcht (zwölf Prozent sollen deswegen sogar bis zu einer Stunde wachliegen). Diese Erkenntnis ist Frucht des letzten Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Schlafforschung in Lissabon im vergangenen Herbst. Vielleicht waren die angereisten Forscher selbst Opfer einer Hotelarchitektur, die die Wirkung des ruhestörenden Sägens potenziert, wenn nicht nur im Bett nebenan, sondern auch im Nachbarzimmer ein Mensch seht laut schläft. Das Hotel Crowne Plaza in Vilamoura testet nun in einem Pilotprojekt die Verbesserung der feriengesellschaftlichen Gesamt-Situation und bietet ruhige Nächte in scharchfreien Zimmern. Dazu setze man „geprüfte Technik ein: Schallschutz-Paneele, die die spezifischen Frequenzen der Schnarchtöne absorbieren und ein Gerät, das weißes Rauschen erzeugt“, erläutert Rosanna Badalamenti von der Marketing-Abteilung der Hotelkette. Die Paneele seien wie eine Eierkiste konstruiert und aus speziellem Schaumstoff gefertigt. Eine technische Neuheit sorge beim Scharcher selbst für geminderte Geräusch-Erzeugung: Eine Vorrichtung am Kopfende des Bettes schickt den Schlafenden in einem natürlichen Magnetfeld durch die Nacht, erzeugt durch das seltene Metall Neodym, das schnarchmindernd auf die Atemwege wirken soll. Bleibt abzuwarten, ob physiologische Dezibel-Emittenten unter den Sommerfrischlern eines der letzten Tabus des gesellschaftlichen Miteinanders brechen und sich an der Rezeption outen: „Ja, ich schnarche!“
Diese Flagge weist auf
die Erste-Hilfe-Stelle hin
Erste Hilfe am Strand 
An den Algarve-Stränden werden in der Hochsaison vom 1.Juli bis zum 31.August Erste-Hilfe-Stellen eingerichtet. Das regionale Gesundheitsamt Administração Regional de Saúde betreibt gemeinsam mit dem Roten Kreuz 32 Notfall-Anlaufstellen, die täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet sein werden. An einigen besonders beliebten Stränden ist die Öffnung bis 15. September geplant (vollständige Liste der Erste-Hilfe-Stellen hier). 
So beruhigend die Nähe eines Sanitäter-Teams sein mag – in diesem Jahr ist die Region Algarve privilegiert, denn andere beliebte Touristenstrände des Landes, darunter Zambujeira do Mar und Vila Nova de Milfontes, bekommen in diesem Sommer erstmals seit Jahren keine medizinische Unterstützung, bestätigte Rotkreuz-Sprecher Rogério Costa Pereira. Er habe die regionalen Gesundheitsämter frühzeitig auf eine entsprechende Zusammenarbeit hingewiesen, doch entweder „sagte man uns, es sei nicht notwendig, oder wir haben überhaupt keine Antwort erhalten“, so Costa Pereira, der falsch verstandene Sparmaßnahmen hinter der Verweigerung vermutet. 2010 benötigten, abgesehen von der Versorgung kleiner Wehwehchen, statistische siebzehn Personen pro Erste-Hilfe-Stelle wichtige medizinische (Erst-)Versorgung am Strand, zwei Drittel davon waren Touristen. In einigen Fällen abgelegener, kleiner Gemeinden ohne eigene Poliklinik, wie Monte Clérigo im Algarve, wurde die Sanitätsstelle am Strand in den Sommermonaten auch zur Anlaufstelle für die örtliche Bevölkerung. Dort wurden neben der Versorgung üblicher Strand-Verletzungen auch Blutdruck gemessen und kleine allgemein-medizinische Untersuchungen durchgeführt.
Politische Spareinlagen
Portugals neuer Regierungschef Pedro Passos Coelho legte in einer Grundsatzrede die Eckpunkte seiner Politik für die kommenden Jahre fest. Nachdem am Dienstag die Staatssekretäre vereidigt wurden, erklärte der Permierminister, in der Wirtschaftspolitik wolle die Regierung Wettbewerbs-Bedingungen verbessern – besonders im Bereich der Telekommunikation fördere dies die Innovation und begünstige die Verbraucher. Gleichzeitig soll eine Modernisierung des Urheberrechts-Schutzes den Bereich der audio-visuellen Medien „an die digitalen Realitäten anpassen“. In einer Reform des Arbeitsrechts plant Passos Coelho einen Einheits-Arbeitsvertrag, der Zeitverträge ablöst. Zeitverträge, die in den kommenden zwölf Monaten auslaufen, dürfen allerdings noch einmal verlängert werden, um in der Übergangszeit keine Härtefälle zu schaffen. Arbeitnehmern wird künftig mehr Flexibilität abverlangt: Probezeiten können verlängert werden, vor allem aber sollen Arbeitszeiten an die Bedürfnisse der Produktion angepasst werden. Im Gegenzug soll ein Ausgleich durch zusätzliche Ferientage erfolgen oder ein Überstundenkonto angelegt werden, dessen Saldo der Mitarbeiter in produktionsarmer Zeit als Freizeit nutzen kann.
Spürbare Teuerung 
Eine erneute Erhöhung der Mehrwertsteuer IVA wird bereits ab Juli wirksam. Es ist die zweite in diesem Jahr, nachdem im Januar eine Anhebung des IVA-Höchsatzes von 21% auf 23% erfolgte. Nun werden die ermäßigten Kategorien angehoben, die auf bestimmte Grundverbrauchsgüter und -Dienstleistungen erhoben werden: Zahlreiche, bisher mit sechs Prozent IVA belegte Waren erreichen den 13 Prozent-Satz; bisher mit 13 Prozent taxierte Produkte fallen ab 1.7. unter den Höchstsatz von 23 Prozent. Grundnahrungsmittel sind von der Maßnahme ausgenommen, die notwendig sei, da der Negativsaldo der Staatsfinanzen steige, sagte ein Sprecher des Ministerrates. Ab Juli steigen auch die Gaspreise um 3,9 Prozent; dabei gehe es um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Energieversorger. Nach Ablauf eines Jahres soll diese Erhöhung überprüft werden. Anfang 2012 steht eine weitere Teuerung der Gasversorgung bevor: Die Internationale Finanzhilfe hat eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Energieprodukte verordnet, noch ist nicht endgültig entschieden, ob der neue Energie-IVA-Satz 11% oder 21% betragen wird. 
Unterdessen wurde errechnet, dass Portugal durch die EU-weite Kürzung der Nahrungsmittel-Beihilfen für sozial schwache Familien gut drei Viertel des Anteils verliert, der 2010 gezahlt wurde, und nun nur noch 4,5 Millionen Euro erhält. Die Ministerin für Landwirtschaft und Raumordnung will schnellstmöglich nicht genutzte Fördermittel der EU an Brüssel zurückzahlen, um Strafzöllen zu entkommen. Künftig müsse die Allokation dieser Mittel im Vorfeld genauer geplant werden, die Zuteilung unverzüglich erfolgen und regelmäßig kontrolliert werden, so Assunção Crista. Derzeit steht Portugal eine Strafzahlung von rund 122 Millionen Euro wegen erhaltener und nicht eingesetzter Fördermittel in den Jahren 2007 und 2008 bevor.
 Natürlich und nachhaltig
Der mediterrane Garten 
„Wissen Sie, wo sich der nächstgelegene botanische Garten befindet?“, fragt Iwan Schneider gleich bei der Begrüßung. Der Manager der Hapimag-Ferienanlage in Albufeira kennt die Reaktion seiner Gesprächs-Partner auf die Frage: 'So einen Garten gibt es im Algarve nirgends, ist aber bezeichnend, dass ich darüber noch nie nachgedacht habe' – so ähnlich antworten alle. Für Schneider ist das Thema eine persönliche Angelegenheit geworden. Er hat alle Kräfte in Bewegung gesetzt, um einen mediterranen Garten anzulegen. Beim Wachsen konnte man der Anlage naturgemäß schon länger zusehen, nun wurde sie der Öffentlichkeit präsentiert. Gründe für den mediterranen Garten gibt es viele, meint Schneider: Da sind die allerorten aus dem Boden sprießenden Betonburgen, die die Natur verdrängen und für die es dringend Kontrapunkte geben müsse, da ist das schwindende Bewusstsein der Menschen für ihre direkte Umwelt, da ist aber auch der Gedanke, dass es in Portugal und im Algarve so viele heimische Pflanzen gibt, mindestens genau so schön wie importierte Tropen-Pflanzen, aber mit dem Vorteil, anderen Arten nicht durch unkontrolliertes Wachstum im fremden Biotop die Lebensgrundlage zu nehmen". Außerdem sollen die Gäste beim Blick aus dem Hotelfenster eine authentische Landschaft sehen und nicht nur Rasen und Palmen, die genau so aussehen, wie in Kalifornien,  Spanien oder Südafrika“.
Institutionalisierte Formlosigkeit  
Die Wahl der richtigen Anrede zeugt wohl in jedem Land von Respekt und Stil, oder eben vom Gegenteil. Tu oder o senhor / a senhora lernt, wer sich in Portugal um die Sprache bemüht, dann kommt aber erschwerend noch die Form você hinzu. Manche Ausländer lernen das nie – und mache Portugiesen entwöhnen sich, wenn sie längere Zeit im Ausland leben. So überraschte der neue Wirtschafts-Minister Álvaro Santos Pereira, als er Journalisten erklärte, er wolle „am liebsten mit Álvaro angesprochen werden und nicht mit 'Herr Minister'“. Der 39 Jahre alte, leidenschaftliche Blogger begründete das mit einem Universitäts-Erlebnis in England, wo ihm angenehm aufgefallen sei, dass der für den Fachbereich zuständige Professor einfach nur 'Mark' gerufen wurde. Portugals Wirtschafts-Minister lehrte auch jahrelang an kanadischen Universitäten, von wo er nun auf den Ministersessel in Lissabon wechselte. Der aus der englischsprachigen Welt mitgebrachte lockere Umgang mit der Anrede rief in Portugal Reaktionen von „Quatsch“ über „Anbiederung“ bis hin zu „Verblendung durch Auslands-Assimilation“ hervor; Portugals bekanntester TV-Kommentator Marcelo Rebelo de Sousa möchte sich nicht vorstellen, wie der Fahrer des Ministers seinen Chef fragt: „Álvaro, geht's gleich ins Büro oder wollen wir an der Ecke noch 'nen Kaffee trinken?“ 
 Lieber auf zwei Rädern: Minister Mota Soares
FOTO: JN
Den Umgang mit dem Fahrer hat Santos Pereiras Kabinetts-Kollege bereits gelöst – durch Verzicht: Sozialminister Pedro Mota Soares (37) ist Vespa-Fahrer aus Passion und fuhr auch zur Amtseinführung auf dem PS-schwachen Zweirad, zum Anlass passend allerdings im dunklen Anzug. Er könne seinen Motorroller bei offiziellen Anlässen nicht benutzen, bedauerte Mota Soares, doch für den täglichen Weg ins Büro werde er nicht auf ein Auto umsteigen. Auch Regierungschef Pedro Passos Coelho selbst sorgte bereits für zahlreiche Presse-Berichte, da er „nicht, wie die meisten Politiker, aus einem schicken Viertel in Lissabon kommt und kein mondänes Apartment in einer luxuriösen geschlossenen Wohnanlage hat“, sondern in einem Wohnblock in Massamá, einer schlichten Wohnvorstadt 30 Kilometer nördlich von Lissabon lebt. Portugiesen diskutieren, ob es sich um veränderte Lebensgewohnheiten einer neuen Politiker-Generation handele oder ob sich diese bisher in Portugal eher unbekannten Eigenschaften der Staatslenker schon bald ändern werden.
Im grünen Bereich 
Berichte über die EHEC-Epidemie in Deutschland und ihre Auswirkungen auf den internationalen Gemüsehandel sind weitgehend aus den Medien verschwunden, doch arbeiten Organisationen in Portugal noch am Krisen-Management in Bezug auf verschmähtes Gemüse, „hunderte, bisher über sechshundert Tonnen, die von ängstlichen Bürgern nicht gekauft werden, obwohl sie bedenkenlos verzehrt werden können“, sagt José Canha vom Verband für die Vermarktung der heimischen Obst-, Gemüse- und Blumen-Produktion, Portugal Fresh. Die Bauern, die von der EU für den Verlust entschädigt werden sollen, wollen einwandfreies Gemüse – in erster Linie Gurken, Tomaten und Zucchini, die sich auf den Märkten nicht verkauften oder aus stornierten Lieferungen stammen wohltätigen Einrichtungen kostenlos übergeben. Was nach der Lagerung nicht mehr einwandfrei ist, geht als Viehfutter an Kleinbauern. 
Der Gemüsebauern-Verband OPH im Algarve meldet andere Zahlen: Vierhundert Tonnen Tomaten seien vom Beginn des EHEC-Alarms bis Ende Juni zu „reinem Abfall geworden“, denn es fehle in der Region an Kühl- und Lagerräumen, die eine längere Frischhaltung ermöglicht hätten. Weiterverwendung sei ausgeschlossen. Gerne hätte die OPH „Gemüse längst der Lebensmittel-Hilfe Banco Alimentar contra a Fome übergeben, doch fehlte auch der Banco Alimentar die notwendige Lager-Kapazität, erläutert OPH-Chefin Tânia Kittler. Unterdessen erwägt das regionale Landwirtschaftsamt DRAPALg, die Bauern, deren Tomatenernte zu „nahezu hundert Prozent verloren ist“, mit 33 Cent pro Kilo zu entschädigen. Dazu müssten die Tomaten in Containern gewogen werden. Die Erzeuger sind damit nicht zufrieden, denn „der Saft läuft aus den Containern und das verbleibende Gewicht entspricht nicht der wahren Schadensmenge“.
Goldener Boden 
Zwei Kirchen aus der Alentejo-Gemeinde Marvão melden den Diebstahl ihrer aus Bronze gegossenen Kirchenglocken, weitere Tempel in Gavião und Évora hatten zuvor das Verschwinden der Glocken gemeldet. Damit wurden nun auch Sakral-Gegenstände zum Ziel von Metall-Dieben, die nicht am künstlerischen oder ideellen Wert der Beute interessiert sind, sondern allein an deren Materialwert. Seit Monaten verzeichnet die Polizei landauf landab eine sprunghafte Zunahme von Diebstählen mehr oder weniger teuer zu verkaufender Metall-Gegenstände, während im Alentejo der wahre Goldrausch ausgebrochen ist: Bisher als wichtigste Fleisch produzierende Kommune Portugals bekannt, soll die Stadt Montemor-o-Novo das neue Klondike des kanadischen Minen-Betreibers Colt Resources werden, der in der Gemeinde Escoural fünf Jahre lang Gold schürfen will – die Eröffnung der ersten Goldmine in Portugal seit sechzig Jahren. 1980 wurden nutzbare Bodenschätze in dieser Gegend zum ersten Mal erkundet, teilt die Gemeinde mit. Seitdem sei das Gold in der Erde bekannt: Bisher rund 40 Gold-Zielgebiete und Ablagerungen versprächen langfristig bis zu zwei Millionen Unzen Gold, förderbar im „Tagebau oder im niedrigen Untertagebau“, so Colt-Sprecher João Carlos Sousa.
Arbeit statt Schule 
Das Schuljahr geht des Ende zu und die regionalen Schulämter registrieren neue Entwicklungen bei den Schulabbrechern. In den vergangenen drei Schuljahren brachen insgesamt weniger Schüler die Schule vorzeitig und ohne Abschluss ab, als in den Jahren davor, doch in diesem Schuljahr gaben erstmals wieder mehr Jugendliche ihre Ausbildung auf, und das schon seit dem Ende des zweiten Schuljahres-Trimesters nach den Osterferien. In vielen Fällen ist nicht das Desinteresse am Unterricht schuld: Immer mehr Familien fehlt das Geld für die Schule, die Anschaffung von Schulbüchern und Lernmaterial reißt zu tiefe Löcher in das Familienbudget. Andere Jugendliche wollen dieser Entwicklung zuvorkommen und haben sich aus der Schule abgemeldet, um arbeiten zu gehen und die Eltern finanziell zu unterstützen. Dies betrifft immer mehr Schüler der neunten Jahrgangsstufe, die älter als fünfzehn Jahre sind. Schulleiter Nuno Adeganha aus Seixal erklärt, er habe in den vergangenen Wochen zehn Schüler verloren, von denen drei ihm erklärten, die wirtschaftliche Situation daheim verhindere den weiteren Schulbesuch. Bei weiteren Kindern vermutet Adeganha das gleiche Motiv, doch „nicht jeder redet darüber“. Das liegt auch daran, dass die Schüler nicht aus „den üblicherweise als sozial schwach eingestuften Schichten kommen, sondern aus dem Mittelfeld der Gesellschaft“. Die portugiesische Rektoren-Konferenz Associação Nacional de Dirigentes Escolares (ANDE) beobachtet diese Entwicklung im ganzen Land, bestätigt ANDE-Präsident Manuel Pereira.  Eltern „verloren ihren Job und in dieser ungewissen Zukunft werden Alternativen gesucht, um die finanziellen Verpflichtungen der Familie zu erfüllen“. 
Schulrat Manuel Esperança kennt noch eine andere Komponente: Besonders in Regionen mit saisonal bedingter Arbeitskräfte-Nachfrage „fehlen die Kinder zeitweilig in der Schule, um Geld zu verdienen“.
 KUNST & KULTUR
KURZGEFASST
Siebzig bis achtzig Prozent des portugiesischen architektonischen Kulturgutes sind im Besitz der katholischen Kirche. Die Zahlen beruhen allerdings auf Schätzungen, da es bisher keine systematische Auflistung gebe, so die Vorsitzende des Sekretariats für sakrale Kulturgüter (SNBCI), Sandra Costa Saldanha, was auf historisch-bürokratische Wirren zurückzuführen sei: Nach der Trennung von Staat und Kirche in Portugal 1911 gingen die sakralen Kulturdenkmäler an den Staat über, wurden aber seit 1940 sukzessive zurückgegeben. Dazu fehlen jedoch genaue Protokolle. 
Das Wirtschafts-Prüfungsamt ASAE schloss im vergangenen Jahr die städtische Markthalle von Abrantes wegen sanitärer Mängel. Nach einem Umbau eröffnete der Markt nun wieder – allerdings als „Mercado Criativo“, wo es statt Blumen, Fisch und Gemüse nun Gemälde, Kunsthandwerk und Literatur zu kaufen gibt. Aus den alten Marktständen wurden kleine Ateliers, die jedem offen stehen, der eine Ort sucht, um seine künstlerischen Werke herzustellen oder zu präsentieren. 
Der Software-Entwickler ParadigmaX hat gemeinsam mit dem Geografischen Institut der portugiesischen Armee (IGeoE) GPS-Landkarten für Abenteuer-Ausflüge mit dem Jeep erstellt. Auch BTX-Radfahrer und Wanderer finden dort Querfeldein-Routen im ganzen Land.
Was macht eigentlich ein Zivilgouverneur? 
António Galamba, Zivilgouverneur des Distrikts Lissabon, gab auf seiner Facebook-Seite bekannt, er werde sein Amt niederlegen – das geschah etwa zu der Zeit, als wenige Autominuten entfernt im Parlament der neue Regierungschef Pedro Passos Coelho seine Antrittsrede hielt. Im Laufe des Tages kamen Rücktritts-Meldungen aus den Büros von Galambas Amts-Kollegen Fernando Moniz (Braga) Mónica Costa (Viseu), Manuel Monge (Beja), Sónia Sanfona (Santarém) und Isilda Gomes (Faro) hinzu. Am Dienstag Vormittag traten schließlich auch die restlichen Zivilgouverneure zurück. Sie alle wollen mit ihrem Rücktritt gegen die von Passos Coelho seit dem Wahlkampf angekündigte Auflösung der Institution der Zivilgouverneure protestieren. Es sei einfach unvernünftig, sagt Isilda Gomes, denn die Ämter „weisen eine beneidenswerte finanzielle Stabilität auf und erwirtschaften eigene Mittel, die den Bürgern und den Ordnungskräften zufließen und damit ein hilfreiches Korrektiv in der Krise sind“. Alle achtzehn Zivilgouverneure im Land hätten „weniger Ausgaben als das kleinste Gemeinde-Rathaus“ (in diesem Jahr 27.415.867 Euro), resümiert Manuel Monge in Beja. Er glaubt deshalb auch nicht, dass die Institution „einfach so mit einem Federstrich getilgt werden kann“. 
Doch welche Aufgaben erfüllen die Gouverneure, deren Historie ins 15. Jahrhundert zurückreicht, als sie Statthalter der Krone in den Verwaltungsbezirken des Landes waren? Heute vertreten sie die Zentralregierung in jedem Distrikt, so das Gesetz. Sie sind Verwaltungsbeamte, vom Ministerrat eingesetzt und dem Innenministerium unterstellt und sollen laut Verfassung von 1976 überflüssig werden, wenn das Land sich für eine Dezentralisierung der Verwaltung entscheidet. Dies ist bisher nicht abzusehen, auch deshalb weil das Referendum zur administrativen Neuordnung 1998 scheiterte. Damals konnten sich die politischen Parteien nicht auf die neu zu gliedernden Bezirke einigen. So wirken die Zivilgouverneure weiter, ihre Aufgaben sind unter anderem Koordinierung von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz, Vergabe von Lizenzen, juristische Begleitung von Lotterien und Tombolas, Genehmigung von Demonstrationen, Organisation von Wahlen und Ausgabe von Pässen und eingezogenen Führerscheinen. Dies, so meinen nicht nur die Regierungs-Parteien PSD und CDS-PP, sondern auch der Linksblock BE, könnten auch andere Organe miterledigen. Die Amtsinhaber wehren sich gegen diese Auffassung, denn hinter diesen Zuständigkeiten verberge sich sehr viel mehr.
Erste Entscheidungen 
Assunção Esteves
FOTO: RTP
Die Mitglieder der neuen Regierung wurden heute von Staatschef Aníbal Cavaco Silva vereidigt, anschließend wurde die Wahl zum Parlamentspräsidenten fortgesetzt, die gestern keine Entscheidung erbracht hatte, und mit 186 Stimmen wurde die frühere Verfassungs-Richterin und EU-Abgeordnete Maria Assunção Andrade Esteves in das Amt gewählt. Die 54-Jährige ist die erste Frau in der Geschichte Portugals auf diesem Platz. In ihrer Antrittsrede warb Assunção Esteves dafür, „angesichts der Fülle von Fragen und Aufgaben, die den Alltag der Gesellschaft betreffen, auch außerhalb der Wahlkampfzeit den Dialog mit den Bürgern nicht abreißen zu lassen“. Gestern war Regierungs-Kandidat Fernando Nobre in zwei Wahlgängen gescheitert, die neue Kandidatin der vorschlags-berechtigten sozialdemokratischen PSD erhielt nun Stimmen aus allen Parteien. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der bisherige Ministerpräsident José Sócrates sein Abgeordneten-Mandat nicht antritt. Er war im Bezirk Castelo Branco gewählt worden, für ihn rückt die Managerin und Unternehmes-Beraterin Maria Hortense Martins (44) nach. 
Mit Sócrates verschwindet auch eines seiner am meisten geförderten Projekte: Die Koalition wird den Bau der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahntrasse Lissabon – Madrid auf Eis legen. Der Bauauftrag für den Streckenabschnitt zwischen Poceirão und der Grenze bei Caia einschließlich einer dritten Brücke über den Tejo ist allerdings bereits an ein Konsortium der Konzerne Soares da Costa und Brisa vergeben, liegt jedoch zur Prüfung beim Rechnungshof. Das Konsortium fordert Leistungen ein, denn es seien bereits 150 Millionen Euro für die Erfüllung der öffentlichen Ausschreibung und für Geländestudien investiert worden. Das Projekt betrifft auch die spanische Nachbarregion Extremadura, wo das Zug-Projekt als verbindlich beschlossen behandelt wird.
Gut für Gold
Die Kanu-Europameisterschaften in Belgrad gingen am Montag zu Ende – Portugals Kanuten bringen vier Medaillen nach Hause. Insgesamt brachte die erste Jahreshälfte den portugiesischen Kanusportlern bereits sechzehn Medaillen und damit erhöhte Erwartungen für die Olympischen Spiele, die im Juli 2012 in London beginnen. Wie die Kanuten sind alle Spitzensportler derzeit Gegenstand von Rechenaufgaben, denn wenn Kürzungen auf allen Ebenen der Gesellschaft anstehen, entkommt auch der Sport dem Rotstift nicht. Gleichzeitig geht es aber um das Prestige einer Nation, die sich auch durch sportliche Erfolge empfehlen möchte. Es fehle dem Land an einer „globalen Betrachtung des gesamten Sportbetriebes“, das Land „navigiert auf Sicht“, immer von einem Wettbewerb zu nächsten, sagt Vicente de Moura, Präsident des portugiesischen Olympischen Komitees. 
 Gold über 1.000 Meter: Portugals Kanuten 
FOTO: RTP
Das Sportinstitut veröffentlichte Statistiken zu den Ausgaben zur Qualifikation von Athleten, durch die Moura sich bestätigt sieht. Die Zahlen beziehen auf die Zyklen der drei vergangenen Olympischen Spiele in Sydney, Athen und Peking. Demzufolge hat der portugiesische Staat in vierzehn Jahren 517 Millionen Euro in die allgemeine Sport-Förderung (58%), in die Förderung von Spitzen-Athleten und Nationalmannschaften (28,4%), sowie in Sport-Organisationen und Paralympics investiert. 530 Medaillen in großen internationalen Wettbewerben waren der Lohn, sieben davon Olympia-Medaillen – am erfolgreichsten waren die Leichtathleten. Im internationalen Vergleich steht Portugal auf Rang 26 der gewonnenen Medaillen. Die simplifzierte Rechnung, dass jede Medaille den Staat 975.000 Euro gekostet hätte, weisen Sportler zurück: Ein überdurchschnittlicher Teil des Geldes sei stets in den Fußball geflossen und gerade der habe nur unwesentlich zum Medaillenspiegel beigetragen. Auch Vicente de Moura liest die Zahlen anders: Betrachte man die Medaillengewinne der letzten acht Dekaden, so wurden wurden gut die Hälfte der Erfolge in den vergangenen zwanzig Jahren errungen. Generelle Kürzungen seien sinnlos, um Kosten zu reduzieren, sollten Sport-Projekte miteinander verbunden werden, wo sich Berührungspunkte ergäben.
Schwieriger Start 
 Fernando Nobre:
Hindernisreicher Ausflug in die Politik
FOTO: AMI
Der neue Regierungschef Pedro Passos Coelho (PSD) erlitt gleich am Tag der Parlaments-Eröffnung eine politische Schlappe. Bei der Wahl zum Parlaments-Präsidenten scheiterte PSD-Kandidat Fernando Nobre; er erhielt die erforderlichen 116 Stimmen auch im zweiten Wahlgang nicht. Es ist ein Novum in 35 Jahren portugiesischer Parlaments-Geschichte, dass ein von der vorschlags-berechtigten Mehrheitspartei aufgestellter Kandidat scheitert. 
Die Personalie war stets von Polemik begleitet. Nobre, Arzt und Präsident der von ihm gegründeten Katastrophen-Hilfe Assistência Médica Internacional (AMI), hatte als parteiloser Kandidat bei der Wahl zum Staatspräsidenten im Januar einen Achtungserfolg vom gut 14 Prozent der Stimmen erreicht. Wenige Wochen später fragte die PSD an, ob er sich als Parteiloser auf PSD-Listenplatz Eins in der Hauptstadt setzen lasse würde. Die PSD hoffte auf den Popularitäts-Sog Nobres, der Kandidat sah die Möglichkeit, doch noch aktiv Politik zu machen und sagte zu. Kurz danach stellte er die Bedingung, er wolle dann auch Parlaments-Präsident werden, sonst gebe er sein Abgeordneten-Mandat zurück. Von da an war klar, dass die Wahl heute zu einem Debakel würde: Pedro Passos Coelho war sich der Stimmen seiner eigenen Abgeordneten sicher, doch Regierungs-Partner Paulo Portas hatte bei den Koalitions-Verhandlungen über stete Abstimmungs-Einigkeit Nobres Kandidatur ausgeklammert: Portas und die Mehrheit seiner Parteifreunde wollten Nobre nicht und enthielten sich der Stimme. Die übrigen Parteien verzeihen dem Mediziner nicht, dass er sich von der PSD vereinnahmen ließ. Der designierte Innenminister Miguel Macedo hatte gemahnt, ein Scheitern Nobres und eine lange Wahlprozedur erwecke den Eindruck, das Parlament vergeude „Zeit, die für wichtige Aufgaben genutzt werden muss“. Nun berät die PSD über einen neuen Kandidaten, der am Dienstagnachmittag zur Wahl stehen soll. Fernando Nobre will entgegen seiner früheren Aussage nun doch sein Abgeordneten-Mandat wahrnehmen.
Käufer gesucht 
Umfangreiche Privatisierungen staatlicher und kommunaler Unternehmen stellen einen der wichtigsten Punkte auf der Maßnahmen-Liste zur Haushalts-Konsolidierung dar. Wirtschafts-Redakteure der portugiesischen Nachrichten-Agentur Lusa haben sich deshalb der Frage gewidmet, wer die Käufer sein könnten, die an einer (Teil-)Übernahme der portugiesischen Staatsbetriebe interessiert wären. Sie haben deutsche Konzerne gefragt, die bereits in Portugal aktiv sind und sich zuvor an der Ausweitung der Beteiligung interessiert gezeigt hatten. Die einheillige Antwort war ein klares Nein. Die energiepolitische Kehrtwende und der Atomausstieg in Deutschland, sowie die Beibehaltung der dort seit Januar wirksamen Brennelementesteuer führt bei den deutschen Energie-Konzernen zum Umdenken über ausländische Beteiligungen; der Markt im eigenen Land ist zu turbulent. So plant der Essener Energie-Versorger RWE auf absehbare Zeit keine Ausweitung seines wirtschaftlichen Engagements in Portugal, wo RWE in den vergangenen Jahren mit Beteiligungen an Windparks und Gas-Kraftwerken handelte. Auch Sabine Meixner, Sprecherin des Energie-Riesen E.on, dessen Hauptgeschäft auf dem europäischen Gas- und Strommarkt liegt, winkt ab. Übernahmen oder Anteilskäufe an anderen Unternehmen seien nicht geplant. E.on besitzt je zwei Windparks an der portugiesischen Westküste und im Algarve. Und die baden-württembergische enBW hält den portugiesischen Strommarkt für „strategisch nicht interessant“, sagt Konzern-Pressesprecher Ulrich Schröder. Auch die Portugal Telecom wird in den Chefetagen deutscher Telekommunikations-Firmen mit wenig Interesse betrachtet. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes von Juli 2010 muss der portugiesische Staat seine Golden Shares (Aktienanteil, der besondere Stimmrechte sichert) veräußern und die so genannte Troika der internationalen Finanzhilfe hat den Verkaufstermin für Juli angesetzt.
Portugals neue Regierung 
Mit der Mannschafts-Aufstellung Vier plus Vier plus Drei übernimmt der designierte Premierminister Pedro Passos Coelho die Regierungsbank im Lissabonner Parlament: Vier Parteifreunde aus seiner sozialdemokratischen PSD, vier Parteilose und drei Politiker der konservativen Koalitionspartners CDS-PP besetzen die Ministerämter der neuen portugiesischen Regierung, die mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren die jüngste Administration ist, die das Land bisher hatte (s.u.). Zwei von Passos Coelho favorisierte Kandidaten für Schlüssel-Ministerien sprangen ab: Eduardo Catroga will nicht Wirtschafts-Minister werden, Vítor Bento lehnte die Leitung des Finanzressorts dankend ab. Ein Blick auf die Regierungs-Agenda enthüllt mögliche Motive dafür: Ende August muss die Regierung auf Anordnung des Internationalen Währungsfonds eine komplette Aufstellung aller Rechnungen vorlegen, die der Staat privaten und öffentlichen Unternehmen und Dienstleistern schuldet. 2,3 Milliarden Euro sind das allein in den Bereichen Gesundheit und öffentliches Bauen. Bis September müssen Passos Coelho und seine Ministerriege einen „kurzfristig wirksamen Tilgungsplan“ aufstellen. 
Bei der Inventur sind Überraschungen zu erwarten, denn es geht um Gläubiger, die in der Bestands-Aufnahme für den internationalen Finanzhilfe-Fonds nicht berücksichtigt wurden. Im Gesundheitswesen warten Labors und Pharma-Firmen auf 1,058 Milliarden aus den kommunalen Krankenhäusern. Und Joaquim Reis vom Industrieverband der Bauunternehmer (Confederação Portuguesa da Construção) erklärte, per Gesetz seien Staat und Kommunen zur Zahlung von acht Prozent Verzugszinsen verpflichtet, was bisher nie erfolgte. Die Verbands-Mitglieder „waren immer froh, wenn wenigstens die Außenstände gezahlt wurden und verzichteten wegen der mit einer Klage verbundenen Kosten auf Prozesse gegen die öffentlichen Auftraggeber“. Zudem seien die staatlichen Bauaufträge seit Jahresbeginn um 77 Prozent rückläufig und nun gehe es bei vielen um das nackte wirtschaftliche Überleben: „Es wird keine Zahlungskompromisse mehr geben“. Reis, wie auch andere Industrieverbände erhoffen sich von der Supervision der internationalen Finanzhelfer auch die Überwachung gesetzlicher Regelungen. Bald nach Amtsantritt trifft sich Passos Coelho mit der so genannten Troika von EU, IWF und EZB, um die technische Erfüllung der Agenda zu besprechen. 
Nouriel Roubini, US-Wirtschafts-Professor und weltweit beachtet, da er das Platzen der Immobilienblase in den USA und die darauf folgende Wirtschafts- und Finanzkrise vorhergesagt hatte, schrieb nun in der Financial Times, die „Reduktion der Schulden im In- und Ausland“ reiche nicht aus um die Wettbewerbsfähigkeit Portugals zu entwickeln. Roubini hält eine Umschuldung, wie sie für Griechenland im Gespräch ist, auch in Portugal für unumgänglich. 
Die neuen Ressortchefs:

Beruf und Gesellschaft 
Ein Beruf sei das Rückgrat des Lebens, meinte Friedrich Nietzsche. An so etwas denkt kein Kind, wenn es gefragt wird, was es später mal werden möchte. Jüngste Umfragen in Portugal legen nahe, dass es den Nachwuchs, wenn er nicht mehr ganz klein ist, interessieren dürfte, welchen Eindruck er mit dem angestrebten Berufswunsch übermittelt: Feuerwehrmann, Lehrer oder Briefträger scheint ein ratsames Ziel, wenn man sich ein gutes berufliches Image zulegen will, denn Portugiesen setzen das meiste Vertrauen in Vertreter dieser Berufsgruppen, und zwar schon seit Jahren. Rechtsanwälte und Politiker (die gibt’s ja oft in Personalunion), sowie Bankmanager stehen auf der untersten Vertrauens-Stufe. Politiker haben gegenüber 2010 sogar sieben Plätze eingebüßt und schreiben den Vertrauens-Verlust seit sechs Jahren fort. Sie genießen das höchste Ansehen in den USA, wo die Studie ebenso wie in 16 europäischen Ländern, sowie in Brasilien und Indien für zwanzig Berufe durchgeführt wurde. 
In Portugal sinkt der Reputations-Stern von Gewerkschaftern, Mitarbeitern von Wohltätigkeits-Einrichtungen, Richtern, Werbefachleuten und Journalisten. Die Befragten hier zu Lande präsentierten nahezu einen Schwarzweiss-Eindruck von den meisten der abgefragten Professionen: Entweder, diese waren sehr vertrauenerweckend oder sie wurden stark abgelehnt. Schweden gilt als das Land, dessen Bürger allen Berufsvertretern am meisten Vertrauen schenken, Belgier misstrauen generell am meisten. In Deutschland haben Manager und Geschäftsführer den geringsten Vertrauens-Kredit, während Anwälte überdurchschnittlich gut wegkamen. In zwei Ergebnissen unterscheiden Portugiesen sich drastisch von allen anderen Nationen: Nirgendwo sonst genießen Militärs umd Umweltschützer so hohes Ansehen.
Ein Sommernachtstraum 
 Das portugiesische Stonehenge
FOTO: Luís Pereira

Die Sommersonnenwende gilt seit Menschengedenken als mystischer Tag und ist an vielen Orten Anlass für weltliche und religiöse Feste. Je deutlicher der Unterschied zwischen hartem Winter und warmem Sommer, desto feierlicher die Sonnwendfeiern, was ihre Populärität und Verbreitung in nordeuropäischen Ländern erklärt. Als Ort der südlichsten Sonnwendfeiern ist das spanische Alicante bekannt, doch auch in Portugal finden die Feste heidnischen Ursprungs großen Anklang. Die Aldeia de Chãs nahe der Stadt Vila Nova de Foz Côa gilt als das portugiesische Stonehenge. Am 21.Juni, dem Tag des Solstício de Verão, der Sommer-Sonnenwende, finden dort wahre Volksfeste statt, zu denen Besucher selbst von weither anreisen und die von der Gemeindeverwaltung als „kultureller Marathon“ angekündigt werden. Der längste Tag des Jahres wird mit Musik, Poesie und altem, keltischem Brauchtum gefeiert. Das eigentliche Spektakel ereignet sich am so genannten Sonnenstein (Pedra de Sol), einem nach Westen geneigten Megalithen von 3,5 Metern Durchmesser auf dem Berg Monte dos Tambores. Zum Zeitpunkt des solstício, dem „Sonnenstillstand“, malt die Natur ein Ornament aus Licht und Schatten und der Stein sehe aus „wie ein bunter Schirm mit gelben und roten Streifen“, berichtet ein Beobachter. Berechnungen zufolge tritt dieses Naturschauspiel in diesem Jahr um 20.43 Uhr ein. Druiden in weißen Umhängen dürfen dabei nicht fehlen, sie sehen sehr modern aus. Opferlämmer gibt es ebenfalls, allerdings nur sinnbildlich, aus Plüsch: „Wir quälen kein Tier“, sagt ein Dorfbewohner. Die Kommunalpolitik hat das rituelle Freilufttheater längst als touristische Einnahmequelle entdeckt, die Zufahrtswege ausgebaut und betreibt Tourismuswerbung für die in Portugal ungewöhnliche Veranstaltung, die „auf angemessene Weise in den Reiseführern dargestellt werden soll“. Der Sonnwendtag endet mit einem Volksfest, und nun werden die Nächte wieder länger.
„Anders regieren“ 
Die seit langem, auch von der gerade abgewählten Regierung, immer wieder erwogene Privatisierung der Fluglinie TAP ist durch den gestern unterzeichneten Koalitions-Vertrag der künftigen Regierungsparteien PSD und CDS-PP besiegelt und – die portugiesische Luftflotte könnte demnächst unter deutscher Flagge fliegen: Presseberichten zufolge zeigt sich die Lufthansa „sehr interessiert“ am Kauf der TAP (zuvor hatte bereits ein Konsortium von Iberia und British Airways, sowie Qatar Airways Interesse angemeldet). 
Die konstituierende Sitzung des neuen Parlaments findet am Montag statt und die Abgeordneten müssen demnächst auch über andere Privatisierungen entscheiden, die in der Regierungs-Vereinbarung vorgesehen sind. Insgesamt liest sich das Dokument wie eine Absichts-Erklärung des guten Willens, gepaart mit einer Auflistung von Vorhaben, über deren praktische Umsetzung dennoch nichts zu Papier gebracht wurde. Die Beseitigung von „ökonomisch-finanziellen Defekten schwersten Grades und der Verfall der Lebensqualität der meisten Portugiesen“ ist das Leitmotiv der Regierungs-Charta „in der schwierigsten Situation für Portugal seit 1975", so der designierte Regierungsschef Pedro Passos Coelho. Die Ergebnisse der Wahl am 5. Juni verstehen die Koalitionäre als „neuen Hoffnungs-Horizont unserer Landsleute, die nicht resignieren“.  Um dem gerecht zu werden, verpflichten sich die Parteien, stets geschlossen abzustimmen, wenn es um Gesetzesentwürfe, das Regierungsprogramm, etwaige Misstrauensanträge, Haushalts-Daten und Maßnahmen zur Bildung des Etats geht, sowie bei allen Fragen, die sich durch die Vorgaben der EU und des Internationalen Währungsfonds ergeben: Dahinter steckt die schon im Wahlkampf verbal bekämpfte Furcht Passos Coelhos, im Zuge der internationalen Finanzhilfe könne es in Portugal zu „Protesten griechischen Ausmaßes“ kommen.
Strände gefährdet 
Das Meer lässt nicht viel übrig vom Strand:
Praia da Tamargueira bei Figueira da Foz
Landesweit sind 70 Badestrände so akut von Erosion bedroht, dass sie in einigen Jahren verschwunden sein könnten. Durch den Anstieg des Meeresspiegels könnten Strände einfach überspült werden, erodierende Klippen brechen und Strände unzugänglich machen, erklärt Fernando Veloso Gomes, Bauingenieur und Professor für Hydraulik an der Universität Porto. Es gebe „verschiedene Risiko-Stufen und weil ein Felsabbruch fast nie vorhersehbar ist, sollten Badegäste sich auf keinen Fall unmittelbar an die Felsen legen“. Die 70 gefährdeten Strände sollten bis 2013 befestigt und neu aufgeschüttet sein.
Finanzielle Probleme hätten die Arbeiten in diesem Jahr zum Teil verzögert und „niemand weiß bisher, ob die Finanzpläne für die kommenden Jahre diese Arbeiten berücksichtigen“, so Gomes. Seit der Mensch immer mehr Eingriffe in die Natur der Küste nehme, Flüsse ausbaggere, Wellenbrecher baue und Dünengürtel verändere, reagiere auch die Natur unter Wasser: „Es gibt immer weniger Sedimente, die angespült werden und so den Sandstreifen erhalten helfen“.  Besonders betroffen seien einige Algarve-Strände, sowie der Küstenstreifen zwischen Der Douro-Mündung im Norden und dem Cabo Carvoeiro; genaue Ortsangaben machte Gomes nicht.
Aus der Politik in die Philosophie 
FOTO: Agência Brasil
Die Selbsterkenntnis sei die Bedingung praktischer Tüchtigkeit, so die Kernthese des altgriechischen Philosophen Sokrates. Sein portugiesischer Namensvetter José Sócrates, zurückgetretener sozialistischer Partei- und Regierungschef und als solcher soeben auch vom Volke abgewählt, folgt, so scheint es, diesem Leitsatz und möchte Philosophie studieren. Um dieses Erkenntsinsfach zu erlernen, zieht er für ein Jahr nach Paris. Bereits am Wahlabend hatte Sócrates erklärt, er wolle sich aus der Politik ins Privatleben zurückziehen, dies präzisierte er nun: Er wolle seinen ältesten Sohn mit in die französische Hauptstadt nehmen, doch ansonsten sei das „etwas, das mit meinem Privatleben zu tun hat und deshalb soll es auch privat bleiben“. Sócrates hatte 1987 ein Jura-Studium begonnen, es aber nie abgeschlossen und war Mitte der 1990er Jahre an die Universität zurückgekehrt, wo er ein Diplom als Bauingenieur erwarb. Die Urkunde sorgte bis heute immer wieder für Unmut, Spott und Zweifel an der Legitimität, da Examens-Teile an einem Sonntag und per Fax entstanden sein sollen. Nun kündigte José Sócrates das geplante Philosophie-Studium an, um „den Klatsch um mein Privatleben zu beenden“. Zuvor hatte die Wochenzeitung Sol berichtet, Sócrates werde als europäischer General-Repräsentant brasilianischer Großkonzerne tätig; die brasilianische Staatschefin Dilma Rousseff habe ihn dazu ermuntert. Sócrates Büro teilte mit, diese „Meldung ist falsch“. Portugals Blogger-Gemeinde kommentierte Sócrates' Pläne bereits: Er folge dem Beispiel von EU-Kommissions-Präsident José Manuel Durão Barroso, einem seiner Amtsvorgänger. „Der hat auch erst das Land zugrunde gewirtschaftet und sich dann ins Ausland abgemeldet“.
Hintertürchen 
 FOTO: EU-Mediathek
Die Finanzhilfe von EU und Internationalem Währungsfonds kann in direkter Weise Auswirkungen auf das Verhältnis der Banken zu ihren Kunden haben. Die Zeitung Jornal i fragte jetzt beim Internationalen Währungsfonds nach, unter welchen Bedingungen Portugal seinen 78-Milliarden-Euro-Kredit abzahlen müsse und erfuhr: Verzichten die Banken auf ihren Anteil von zwölf Milliarden Euro aus dem Gesamtpaket, bedeute das eine Reduzierung der Zinslast um etwa fünf Milliarden über die gesamte Kredit-Laufzeit, denn  Portugal muss nur über den Betrag Zinsen zahlen, den das Land nutzt. Die Finanzspritze für die Banken war vorgesehen, um die Kreditinstitute zu stabilisieren und Bankenpleiten vorzubeugen; außerdem versetze solches Kapital die Banken in die Lage, Wirtschaft und Verbraucher leichter mit Krediten zu versorgen. Sollte der Bankensektor auf seinen Anteil verzichten, würde er im Gegenzug allerdings Kredite unter größeren Vorbehalten und schärferen Konditionen vergeben als dies in der Vergangenheit der Fall war. Das könnte die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Die Kredit-Zinsen für Unternehmen und Privatkunden würden steigen (was nur Sparer freut). Laut Jornal i sieht der IWF „keinen Anlass zu der Vermutung, dass Portugal mehr als 66 Milliarden Euro benötigt, um den Staatshaushalt zu konsolidieren“. Bliebe die 12 Milliarden-Tranche der Banken unangetastet, müsse dieser Betrag „aller Voraussicht nach nicht anderweitig verteilt werden“. Von den vereinbarten 78 Milliarden liefert der IWF 26 Milliarden Euro, die EU 52 Milliarden.
Kicker für die Kasse
Der Fußball „sollte als Produkt von allerhöchster Bedeutung für Portugal behandelt werden“, meint Artur Fernandes vom Verband der Spielervermittler (Associação Nacional de Agente de Futebol; ANAF). In einer Zeit, da Portugal seine Exporte steigern will, sollte der Sektor ernst genommen werden, da die Vereine „durch den Spielerhandel viel Geld ins Land holen“, so Fernandes. Nach dem Ende der Fußball-Saison 2010/2011 gehe es in den kommenden Wochen insbesondere um Spieler-Käufe und -Verkäufe, in deren Folge Sponsoren-Verträge geschlossen werden, die den beteiligten Unternehmen Gewinn brächten. Schließlich habe der portugiesische Fußball insgesamt und viele Vereine im Einzelnen  einen international guten Ruf, mit dem „vieles bewegt werden kann“. Generell müsse der Profisport als Wirtschaftsfaktor besser genutzt werden, so der Sportagent und fordert gleichzeitig steuerliche Sonderregelungen: Einerseits könnten Leistungssportler ihre Disziplin nur wenige Jahre aktiv ausüben, stellten aber andererseits ihre Leistung in den Dienst der Gesellschaft, in der der Sport eine besondere Rolle einnehme, die fiskale Extras rechtfertigten
Es gehe um die Konkurrenzfähigkeit des portugiesischen Sportmarktes. Langfristig müsse dabei auch der sportliche Nachwuchs besonders gefördert werden, denn „im Umfeld der ganz großen Spieler – etwa zwanzig weltweit – werden auch in Zukunft sehr große Geldbeträge bewegt“. In den vergangenen Spielzeiten habe es sich gezeigt, dass der Spielerverleih populär werde. Auch diese Entwicklung sei durch entsprechendes Marketing zu begleiten. In Portugal gehören etwa vierzig Prozent der Berufs-Spieler zu den Besserverdienern. Die übrigen sechzig Prozent erhalten den monatlichen Mindestlohn für Sportler, der von der Liga Portuguesa de Futebol Profissional auf 1.200 Euro festgelegt wurde.
Nachhaltiger Flieger 
 Für unterschiedliche Zwecke
 gibt es unterschiedliche Modelle
Große Distanzen zu überwinden und dabei einen ökologisch unbedenklichen Flieger zu nutzen, ist eine Aufgabe, die Umwelt-Schützer schon seit langem lösen möchten. Cassiano Rodrigues, Unternehmer aus Maia, hat nun als Beitrag dazu einen Zeppelin gebaut. Vier Jahre dauerte Entwicklung des „Nature Friendly Airship Program“, das Rodrigues nun vorstellte und für das er Investoren sucht. Er vereint in seiner Person mehrere Eigenschaften, die ihm zum Bau des Zeppelins brachten: Er war früher selbst Pilot, ist Chef der kleinen Privat-Fluglinie Nortávia und Inhaber der Textilfabrik Rodrilinea, in der die Außenhaut der Flugobjektes entwickelt und gefertigt wurde. Der Tüftler hat fast zwei Millionen Euro in sein Vorhaben gesteckt, das er gemeinsam mit sieben Fachleuten verschiedener Technik-Bereiche verwirklichte. Der Zeppelin aus Maia nutzt nicht brennbares Helium als Traggas, ist absturzgesichert, die textile Außenhaut ist extrem widerstandfähig und das Luftschiff kann „an Orten landen, wo das weder ein Hubschrauber, noch ein Flugzeug kann“. Je nach Verwendung (Passagier-Transport, Forschungsflug, Rettungsflug) können verschieden große Zeppeline gebaut und auch mit Autopilot ferngesteuert werden. Die Energie liefert Fotovoltaik-Technik und Batterien. Die laden in einem speziell entwickelten System auf, das mit Biobrennstoff betrieben wird. Die Solarzellen ermöglichen dann eine „praktisch unbegrenzte Reisezeit". Für Portugal wäre der Zeppelin „sehr vielfältig einsetzbar: Zum Beispiel als Attraktion für einen touristischen Überflug oder zur Überwachung von Küsten und Wäldern“.
Rat für öffentliche Finanzen 
Der designierte Regierungschef Pedro Passos Coelho versprach im Wahlkampf stets Einsparungen und Abbau von Behörden. Nun kündete er, noch nicht in sein Amt eingeführt, seine erste Maßnahme an: Die Gründung einer neuen Behörde. Dieser „Rat für Öffentliche Finanzen“ (Conselho das Finanças Públicas) soll die Kontrolle über den Staatshaushalt übernehmen und aus unabhängigen Vertretern von Rechnungshof, Staatsbank und einem nicht näher bezeichneten ausländischen Mitglied bestehen. Dazu soll der Rat „erweitere Vollmachten erhalten, die über das hinausgehen, was im internationalen Finanzhilfe-Abkommen zwischen Portugal, der EU und dem Internationalen Währungsfonds vereinbart wurde“, erklärte Passos Coelho nicht dem heimischem Publikum, sondern in einem Interview mit der französischen Zeitung Les Echos. Beobachter, wie der Wirtschafts-Kommentator Pedro Santos Guerreiro, halten die Idee dann für sinnvoll, wenn „so eine Institution präventiv arbeitet und nicht, wie der Rechnungshof, gefällte Entscheidungen erst im Nachhinein reklamieren kann. Das würde bedeuten, dass geplante staatliche Projekte der neuen Einrichtung vorgelegt werden müssten, bevor sie in die öffentliche Ausschreibung gehen. Die „weiteren Schritte müssen dann rigoros beobachtet werden“. Außerdem müsse die Arbeit des Amtes „vollständig transparent und öffentlich nachvollziehbar sein“, was auch für staatliche Unternehmen gelten müsse.
Sauregurkenzeit auf dem Wochenmarkt 
 Kaum Kundschaft: Mercado da Ribeira in Lissabon
Ein Besuch auf einem portugiesischen Wochenmarkt steht als „besonderes Erlebnis“ auf den Veranstaltungs-Listen der meisten Reisebüros. Wer an diesem Wochenende dort war und sich als deutscher Kunde zu erkennen gab, bekam vor allen Dingen eine gehörige Portion Wut 
Die EHEC-Ungewissheit gefährdet die Pläne von Humberto Teixeira: Seine Hubel Produção Agrícola hat sich in zwanzig Jahren auf Erdbeeren und Himbeeren spezialisiert, in einer Sortenvielfalt, die in Europa ihresgleichen sucht. Das mittelständische Unternehmen im Algarve ist gerade im Begriff, seinen Export nach Nord- und Mitteleuropa zu verdreifachen. Teixeira produziert fast ausschließlich für den Export. „Zum Glück ist das Hauptgeschäft, von Januar bis April, schon abgeschlossen“. Bisher war die Nachfrage immer viel höher als die Produktionsmenge, die Teixeira liefern konnte und so war bisher sein größtes Problem, genügend Saison-Arbeiter zu finden. Nun fürchtet er, der „Rufmord durch die Verbindung von EHEC und Obst und Gemüse wirkt noch lange nach“, aber die Verträge für das nächste Jahr müssen jetzt unter Dach und Fach gebracht werden. Angesteckt von der Unsicherheit, ob der Erreger tatsächlich an Gurken, Blattsalaten oder Erdbeeren hafte, stellen viele lieber gleich gar kein Grünzeug auf den Tisch. Das gilt auch in Portugal. Zwar wurde hier zu Lande die heutige Stellungnahme der Weltgesundheits-Organisation (WHO) gehört, derzufolge vermutlich Fleisch der Ausgangspunkt der Infektionen ist. Doch hat die ferne Epidemie die portugiesische Landwirtschaft zunächst nicht, aber inzwischen mit aller Wucht getroffen. Die Verkäufer auf Portugals Wochenmärkten standen am heutigen Samstagmorgen – traditionelle Markt-Einkaufszeit – in wenig besuchten Hallen, „wie zuletzt beim Rinderwahn".
Der Neue 
Pedro Passos Coelho:  Designierter
Premier mit politischer Denkfabrik
Er sei „mit dem Bewusstsein aufgewacht, dass ich nun sehr große Verantwortung trage“, sagte Pedro Passos Coelho den Journalisten heute Morgen. Vermutlich am 1. Juli soll er die Regierungs-Geschäfte aufnehmen. Bis dahin geht es um Koalitions-Verhandlungen und verfassungsrechtliche Fristen zur Einreichung der Ministerliste beim Staats-Präsidenten. Der muss zuvor formale Gespräche mit den Parteien führen. Einige Analysten fordern, die Fristen zu ignorieren, denn „Ziel und Ergebnis seien sowieso klar“ und Passos Coelho solle beim EU-Gipfel am 24. Juni als Regierungschef teilnehmen können
Es geht nun sehr schnell für den 46-jährigen Aufsteiger, der bisher noch nie ein politisches Amt ausübte. Passos Coelho hatte sich als Mitglied der „sozialdemokratischen Jugend“ (JSD) regelmäßig und deutlich zu Wort gemeldet, der er mit 14 Jahren beitrat, unter anderem, weil er sich „in der Gesellschaft von Freunden wohler fühlte, die älter waren“ und bei Sommerferien-Aktivitäten der PSD für ihn interessante Themen fand. 1991 zog er als einer der jüngsten Abgeordneten ins Parlament ein und vertrat Portugal auch vier Jahre lang in der Parlamentarischen Versammlung der NATO.
Erste Reaktionen nach der Wahl 
Die Parlamentswahlen haben die politische Landkarte Portugals verändert: Die sozialdemokratische Partei PSD errang Siege in siebzehn der zwanzig nationalen Wahlbezirke. 
José Sócrates:
Seine Zeit ist abgelaufen
In einer Rede an "alle Portugiesen und an alle Partei-Freunde" erklärte der nun als Regierungschef abgewählte José Sócrates, er werde auch den Vorsitz der Sozialistischen Partei abgeben. Sobald wie möglich solle ein Partei-Kongress die Nachfolge an der Parteispitze bestimmen. Sócrates erklärte weiter, die Niederlage seiner Partei (das schlechteste Ergebnis seit 1987) liege in seiner Verantwortung. Er habe seinem designierten Nachfolger Pedro Passos Coelho zum Sieg gratuliert und ihm Glück und Erfolg für die Regierungsarbeit in "national und international schwerer Zeit" gewünscht. Trotz verlorener Wahl, so Sócrates, nehme die Sozialistische Partei einen "würdigen Platz" ein. Auf die Frage eines Journalisten nach Sócrates´ künftiger Rolle erklärte dieser, er strebe "keinerlei politisches oder öffentliches Amt an" und werde sich "ins ganz private Leben zurückziehen".      
 Gemeinsam nach rechts: Pedro
Passos Coelho (li.) u. Paulo Portas
Wahlsieger Pedro Passos Coelho erklärte, das Ergebnis besage "klar und unmissverständlich, dass die Portugiesen einen deutlichen Politikwechsel wünschen", er und seine Partei seien sich über die Verantwortung im Klaren, die sie für die kommende Legislatur-Periode tragen. Auch die rechtskonservative CDS-PP, künftiger Regierungs-Partner, sieht in ihrem besten Ergebnis seit über einer Dekade eine Stärkung ihrer Position als Koalitions-Partner; die CDS-PP erhielt 60.000 Stimmen mehr als bei der Wahl 2009.
Seit 20 Jahren wird die Kommunistische Partei erstmals wieder einen Abgeordneten aus dem Distrikt Faro ins Parlament entsenden können; Parteichef Jerónimo de Sousa sieht in dem für ihn insgesamt zufriedenstellenden Wahlergebnis einen Auftrag, sich bevorstehenden Sparprogrammen entgegenzustellen. Unerwartet schlecht schnitt der Linksblock Bloco da Esquerda ab, die sich "aber nicht geschlagen gibt". Die Politik-Wende beginne nicht erst heute, sie habe bereits mit der Anrufung des Internationalen Währungsfonds begonnen. Dieser veränderten Realität wolle sich die Partei stellen. Während der Auszählung sah es kurzzeitig so aus, als könne die Tier- und Naturschutzpartei PAN (Partido dos Animais e da Natureza) einen Abgeordneten entsenden. Der Traum der Tierschützer scheiterte aber nach weiterer Auszählung. PAN hatte sich vorgenommen, im Parlament dafür zu sorgen, dass "es jenseits von Troika, Sparprogrammen und Wirtschaftsdaten noch andere Werte im Leben einer Gesellschaft gibt, die eine Interessen-Vertretung verdienen".
Mit 58,9 Prozent war die Wahlbeteiligung so niedrig wie bei keiner Parlamentswahl seit 1976. Noch vier Parlamentssitze sind zu vergeben, dazu müssen die Stimmen der Exil-Portugiesen in der ganzen Welt ausgezählt werden, die in ihren Konsulaten abstimmen konnten. 
FOTOS: LUSA (Mário Cruz; Manuel de Almeida)
Alltags-Perspektiven 
Die Stadt aus der Sicht derer, die in ihr keine Wohnung haben: Für dieses Konzept verteilte der Bildhauer und Illustrator Bruno Gaspar Einweg-Fotoapparate an Obdachlose und bat sie, Bilder von Lissabon zu machen, die die Hauptstadt zeigen, wie sie ist, wenn man sie Tag und Nacht, das ganze Jahr hindurch nur von der Straßenseite her erlebt. Die Eindrücke sind sehr verschieden: Einer fühlt sich den Wahrzeichen verbunden, die, wie er selbst, immer unterwegs sind und fotografierte die alten Straßenbahnen. Von Senhor Luís stammt eines der emotionalsten Bilder: Eine Herde junger Schafe, die mitten in der Stadt in einer kleinen Gasse auf dem Asphalt gehalten und mit Zäunen am Weglaufen gehindert werden. Gaspar, der Initiator der Fotoreihe, will die Aufnahmen im Herbst ausstellen und verkaufen; der Erlös geht an die Obdachlosen-Hilfe CASA (Centro de Apoio ao Sem-Abrigo). CASA gibt täglich 350 warme Mahlzeiten aus, fast doppelt so viele wie noch Anfang 2010. Das liege unter anderem an der „wachsenden Zahl von Ausländern, die lange in Portugal gelebt und gearbeitet und schließlich doch alles verloren haben“, so CASA-Leiter Jorge Correia. Die Stadtverwaltung spricht von 1.187 Obdachlosen, ein Drittel davon findet keine Bleibe in Sozial-Unterkünften. Die Fotoapparate sind Spenden von unbekannten Helfern, gesammelt von der Buchhandlung Arquivo in Leiria. Gaspar hofft, Nachahmer für seine Idee in anderen Städten und Ländern zu finden, und wünscht sich, die Foto-Industrie möge die Wegwerf-Apparate spenden.
Tagebuch der letzten Wahlkampfwoche 
30. MAI 2011:
AUF DER STRECKE ...
Der Krake Paul hat einen Nachfolger. Der neue Ergebnis-Vorhersager ist gleichfalls ein Weichtier mit entsprechend gemächlicher Fortbewegung: Auf den Kopffüßer folgt eine Schnecke. Die sagt nun nicht Fußball-Ergebnisse voraus, sondern Wahl-Ergebnisse. Irgendwer hat gesagt, man dürfe heutzutage einem Politiker nur so weit trauen, wie eine Schnecke hochspringen kann. Nomen ist also Omen? Mal sehen. Jedenfalls hat das namenlose Tier die Aufgabe, die vermutliche politische Konstellation nach den Wahlen am kommenden Sonntag zu prophezeien, volksnah und unparteiisch, anders als die Wahlforscher und Meinungsforschungs-Institute, die ja doch nur die Zahlen veröffentlichen würden, die ihren Auftraggeben glücklich machen und mit eben jener Veröffentlichung das Abstimmungs-Verhalten beeinflussen würden. Das ist eine oft gehörte Meinung dieser Tage. 
Die Schnecke also.
Eine virtuelle Quinta im Alentejo 
 Alentejo-Farm auf Facebook
Rural Value lautet der Name eines Internet-Spiels, das in diesem Monat freigeschaltet und über Facebook nutzbar sein wird. Dem Spiel,  das vom Facebook-Browsergame FarmVille inspiriert ist, dient als virtuelle Spielfläche ein Bauernhof im Alentejo. Die Spieler sind Erben eines Bauernhofes und einer kleinen Summe Geldes, werden zu Landwirten und müssen nachhaltigen Landbau und ökonomische Planung kombinieren. Das Spiel ist die Simulation einer echten Quinta mit allen Komponenten, „ohne rosa FarmVille-Kühe und Alien-Nachwuchs“, sagt Tiago Domingos von der Technischen Hochschule in Lissabon, der das Spiel entwickelt hat.  
Rural Value („bäuerliche Werte“, „Der Wert des Landes“) beschäftigt sich zwar, wie FarmVille, mit Viehzucht und Bewirtschaftlung von Ackerland, doch berücksichtigt die portugiesische Variante wissenschaftliche und Umweltdaten und soll „ermöglichen, spielerisch mit realen Werten umzugehen“. Dazu gehören etwa Erzeuger- und Handelspreise, die in Echtzeit die Entwicklung an den realen Märkten nachvollzieht. Das Rural Value-Projekt ist kostenlos und beinhaltet keine Werbe-Absichten. Einzige Ziele seien ein pädagogisches Heranführen an den Umgang mit Informatik, virtuellen Welten und mit Umweltschutz-Aufgaben. Das Spiel wird in portugiesischer und englischer Sprache veröffentlicht und später um virtuelle Quintas in anderen Landesteilen erweitert, die sich an regionalen Gegebenheiten orientieren, eine Probe-Version ist bereits nutzbar.
Ursachenforschung 
Zwar sind in Portugal keine Infektionen mit dem EHEC-Erreger bekannt, doch die Nachrichten über täglich neue Erkrankte in Deutschland und die noch immer unklare Herkunft des Erregers schürt auch hier Verunsicherung. Mário Jorge Santos vom Verband der Ärzte im staatlichen Gesundheitswesen mahnt, sich bei „Deutschland-Reisen ebenso Hygiene-bewusst zu verhalten wie bei einer Reise nach Afrika“: Nicht nur der Verzehr von ungewaschenem Obst, Salaten und Gemüse sei gefährlich, auch Schmier-Infektionen bei Kontakt mit Trägern des EHEC-Erregers seien möglich. Santos vermutet den Ursprung des Erregers in Deutschland selbst, denn auch eine verstorbene Schwedin und ein schwerst erkrankter 40-Jähriger im Baskenland brachten die Krankheit aus dem Raum Hamburg mit, ebenso andere ausländische Erkrankte. 
Weniger diplomatisch als der Mediziner Santos äußern sich Leserbrief-Schreiber und Blogger in der portugiesischen Medien-Landschaft: Es sei „altbekannte Technik, die Schuld auf andere abzuwälzen“, heißt es dort mit Blick auf den Anfang der Woche in Deutschland erhobenen General-Vorwurf gegen zwei spanische Exporteure. Auch weitergehende politische Interpretationen finden Raum: Man zeige ja allgemein „in manchen Ländern gerne schnell auf Südeuropa als Sündenbock für alle Übel, ohne Zeit mit einer tiefer gehende Analyse der Umstände zu verschwenden“. Manche Autoren vermuten, der Ursprung der besonders aggressiven Variante des EHEC-Erregers sei „keine landwirtschaftliche Schlamperei, sondern liegt in irgendeinem Labor“.