Ab Januar 2014 geht es auf dieser Webseite weiter
mit Nachrichten und Berichten aus und über Portugal


Gebühren bei Kartenzahlung

In Portugal verbreitet sich in regelmäßigen Abständen die Meldung über vorgebliche Pläne, Transaktionen mit Plastikgeld teurer zu machen und sogar Abhebungen am Geldautomaten mit einer Gebühr zu belegen. Bisher erwies sich die Mitteilung stets als Wandermärchen. Nun aber drohen Kreditkarte-Firmen tatsächlich mit einer Gebühren-Erhöhung. Hintergrund sind neue Pläne der EU-Kommission, Zahlungen mit Kreditkarte billiger zu machen. Dazu sollen die so genannten Interbanken-Gebühren begrenzt werden, die anfallen, weil die Bank des Händlers an die Bank des mit Karte zahlenden Kunden eine Gebühr für die bargeldlose Operation zahlen muss. Die Gebühr rechnen Händler und Dienstleister in aller Regel zu ihren Preisen hinzu, sodass alle Kunden, auch Barzahler, für die Bereitstellung des Kartenservice zahlen. Wettbewerbs-Kommissar Joaquín Almunia möchte diese versteckten Zuschläge auf „0,2 Prozent des zu zahlenden Betrags bei Zahlung mit Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten beschränken“ (derzeit können die Gebühren 1,5 Prozent übersteigen). 
Die „Interbanken-Gebühr ist eine Einnahmequelle für Banken und Kartenanbieter,

Fußball-Rekorde

Der FC Bayern München nähert sich dem Lissabonner Spitzenverein Benfica Lissabon an. Dieser Satz ging heute durch portugiesische Zeitungen; gemeint ist die Zahl der Mitglieder: Der portugiesische Fußballklub ist mit 224.000 Vereins-Angehörigen der mitgliederstärkste Verein der Welt. Bayern München zählt nach jüngster Statistik 217.241 Mitglieder. Rund 30.000 davon sind in den vergangenen Wochen eingetreten, nachdem der Münchner Klub mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, Pokal und Champions League eine extrem erfolgreiche Saison abgeschlossen hat. Die Bayern sind damit der erste Verein in der deutschen Fußball-Geschichte, der die 200.000-Mitglieder-Grenze übersprungen hat. Benfica Lissabon gelang das bereits im Jahr 2006, als der Verein mit einem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde als der Verein mit den weltweit meisten Mitgliedern ausgewiesen wurde. Jetzt folgen auf Rang Zwei Bayern München und auf dem dritten Platz der FC Barcelona.
Allerdings war Benfica Lissabon in der vergangenen Saison nicht vom Glück verwöhnt und verspielte den Sieg in entscheidenden Spielen buchstäblich in der letzten Spielminute. Auch die Vorbereitungen zur Saison 2013/14 (einem Jubiläum, denn es ist die 80. Saison) laufen bisher nicht so, wie es sich die Benfica-Fans gewünscht hatten: In einem Vorbereitungsspiel gestern in Portimão gegen den Club Atlético Peñarol aus Uruguai gelang dem Lissabonner Verein nur ein 1:1. Auch das nächste Vorbereitungsspiel findet im Algarve statt, wenn im Algarve-Stadion Faro-Loulé das Spiel gegen den spanischen Verein UD Levante angepfiffen wird (2.7.; 19.45 Uhr). Der erste Erstliga-Spieltag der portugiesischen Saison 2013/2014 ist der 18.August; die zweite Liga beginnt bereits am 8.August.

Elektronische Rezepte

Bis Jahresende sollen in Portugals Arztpraxen die handgeschriebenen Rezepte abgeschafft werden. Patienten werden dann die Sprechstunde ohne Indikation für Medikamente verlassen, denn die Verschreibungen sollen via Computer ausgestellt und über einen Netzverbund den Apotheken direkt zugänglich werden. Dies folgt aus dem Erlass 4322/2013; derzeit finden Pilotversuche statt, an denen sich einige Praxen und Patienten freiwillig beteiligen und die Eignung testen, denn ein erster Anlauf, die Verschreibungen in Kliniken und Praxen ausschließlich auf elektronischem Wege auszufertigen, war im Jahr 2011 an Unzulänglichkeiten der Software gescheitert. Die Behörden wollen mit den elektronischen Rezepten Fälschungen und Missbräuchen vorbeugen, Papier einsparen und die Rezepte auch anderweitig analysieren, um gewonnene Daten für einen systematischen Überblick über die Gesundheits-Versorgung in Portugal zu erhalten und die mit den Verschreibungen verbundenen Kosten zu kontrollieren. Auch könne die Vorrats-Haltung und der Rhythmus der Neuanschaffungen besser geplant werden, wenn die Abgabe zentral erfasst und nachprüfbar ist. Kritiker wenden ein, dass Ärzte sehr häufig Angaben für die Patienten über Dosierung und Einnahme oder Anwendung der Medikamente auf die Rezepte schreiben; diese Information werde den Patienten bei einem elektronischen Rezept fehlen.

Weitermachen

Es kam, wie viele erwartet hatten, wohl außer denjenigen, die nun in die Pflicht genommen sind: Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva erklärte die politische Krise für beendet und verpflichtet die Regierung in der Besetzung vom Monatsanfang, ihre Arbeit weiterzuführen. Cavaco Silva setzte keine Neuwahlen an, damit blieb er seiner wichtigsten Forderung treu. Die Riege von Regierungschef Pedro Passos Coelho soll weitermachen bis zum regulären Ende der Amtszeit in zwei Jahren; die Option, nach dem Abzug der Troika im kommenden Juni die politischen Karten neu zu mischen, scheint vom Tisch. Portugal müsse wieder "berechenbar und verlässlich werden". Wahlen sollten dieses Ziel nicht gefährden, die Fortführung der aktuellen politischen Leitlinien ist für den Staatschef ein langfristiges Ziel, denn das Land dürfe sich nicht als ein Gebilde präsentieren, in dem es heiße, "wenn die Regierung wechselt, dann ändern sich auch die wirtschaftspolitischen Ausrichtung". Nach drei Wochen der Unsicherheit (siehe untenstehende Berichte) sollen sich "Parteiinteressen dem Nationalwohl unterordnen". Cavaco Silva wolle "keine Partei für die Regierungskrise verantwortlich machen", betonte aber, dass die Rückkehr zur politischen Konstellation, die die Krise ausgelöst hatte, "keine ideale Lösung" sei. Die vergangenen Wochen hätten aber "ein Saatkorn hervorgebracht, das nun gehegt und zum Erblühen gebracht" werden müsse. Die kommenden Tage müssen zeigen, ob die Mitglieder der Regierung sich der Weisung des Staatschefs unterordnen oder weiterhin auf persönliche und politische strukturelle Veränderungen bestehen. Ob die Krise durch das Dekret des Präsidenten heute wirklich beendet ist, bleibt vorerst offen.

Zurück auf Anfang

Der 'Pakt der Nationalen Rettung' ist gescheitert, bevor er seine Arbeit aufnehmen konnte. Ob es Neuwahlen geben wird, ist derzeit nicht klar; die Regierung könnte in der Besetzung vom Monatsbeginn weitermachen – keine neuen Koalitionen, keine groß angelegte Kabinetts-Umbildung. Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva wollte vor allem: Keine Wahlen vor Ablauf der Troika-Aufsicht im Juni nächsten Jahres. Drei Wochen war Portugal „praktisch ohne Regierung und das war toll: Kein Streit, keine Kürzungen, keine Demonstrationen, keine neuen Pläne, die soziale Schieflagen verstärken, keine politischen Querschläger – einfach nur friedlich“, schreibt ein Kommentator der Wochenzeitung Expresso und fügt hinzu, er habe in Gesprächen mit Freunden schon den Wunsch gehört, auch in Zukunft möge die Regierung nur ein paar Wochen pro Jahr arbeiten; es täte dem Land gut. Wie in Zukunft tatsächlich wieder regiert wird, dürfte sich an diesem Wochenende entscheiden.
Tatsächlich ähnelte Portugal während der vergangenen zwanzig Tage einem Abenteuer-Spielplatz politischer Hasardeure, die ihre eigene Macht um jeden Preis erweitern und die übrigen Kräfte zu strategisch verschiebbarem Material degradieren:

Der Politpoker geht weiter

Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva hat in einer Fernseh-Ansprache die Parteien zu einem „patriotischen Kompromiss“ aufgerufen, um die Regierungs-Krise zu beenden, die durch die Minister-Rücktritte und die Kabinetts-Umbildung in der vergangenen Woche begonnen hatte. Überraschend für in- und ausländische Beobachter war, dass der Staatschef die Vereinbarungen der Koalition über neue Köpfe in der Regierung zwar nicht ausdrücklich ablehnte, aber auch nicht das über seinen Kopf hinweg beschlossene und verkündete Machtkonstrukt einfach abnickte. Stattdessen machte er eine andere Vorgabe für die politische Marschrichtung: Statt neue Minister zu vereidigen, forderte Cavaco Silva die sozialistische Partei PS auf, sich an dem „patriotischen Kompromiss“ einer gemeinsamen Administration zu beteiligen, denn auch die PS hatte, als Vorgänger-Regierung, im Jahr 2011 die Verträge mit der Troika unterzeichnet. 
Die Sozialisten betonten heute, sie hätten sich während der vergangenen zwei Jahre zu keiner Zeit gegen Gespräche mit der Regierung gesperrt und hätten sich auch gerne an den Vereinbarungen mit der Troika beteiligt. Jedoch habe die Regierung die PS und alle anderen Parteien stets ignoriert. Nun sei eine Lösung zur Regierung der „nationalen Rettung“ (diese Formulierung betonte Cavaco Silva mehrfach ausdrücklich in seiner Rede) nicht demokratisch legitimiert, sagte ein PS-Sprecher. Eine Gemeinschafts-Administration, die sich nicht auf die Regierungs-Mehrheit beschränke, müsse von allen im Parlament vertretenen Parteien getragen werden. Andernfalls müsse durch Neuwahlen eine neue Konstellation bestimmt werden, der die Bürger das weitere Schicksal des Landes anvertrauen. 
Unterdessen bleibt die Regierung in alter Besetzung im Amt,

Nachspiel

Die europaweite Entgleisung diplomatischer Prinzipien durch das Lande- und Überflugverbot für den bolivianischen Staatschef Evo Morales hatte in Portugal ein parlamentarisches Nachspiel. Der südamerikansiche Politiker war am Dienstag vergangener Woche, aus Moskau kommend, bei seinem Heimflug gezwungen, in Wien zwischenzulanden, nachdem Italien, Frankreich und Portugal die Überflugrechte verweigert hatten. Dies geschah aufgrund der Vermutung, der von den USA gesuchte Internet-Spezialist Edward Snowden befinde sich ebenfalls an Bord von Morales' Regierungs-Maschine. Der Vorfall ohne Präzedenz, mit dem sämtliche diplomatischen und völkerrechtlichen Usancen missachtet wurden, veranlasste die Opposition im Lissabonner Parlament zu einer Befragung des vorige Woche noch amtierenden Außenministers Paulo Portas, der für die Entscheidung verantwortlich ist. Portas antwortete, nicht die Überflugrechte, sondern ein Zwischenstopp sei verweigert worden. Eine Landung sei deshalb ausgeschlossen worden, weil Portugal sich „nicht in ein Problem einmischen sollte, dass weder hier entstanden ist, noch hier zu lösen sein wird“, so Portas. Oppositions-Politiker Bernardino Soares erklärte, mit dieser Haltung habe die portugiesische Regierung sich sehr wohl eingemischt, denn „das Land befindet sich nun unter denen, die den Kreis um Snowden immer enger ziehen wollen“. Außerdem gehe es um das Verhältnis Portugals zu den Ländern Südamerikas nach dem Affront gegenüber dem bolivianischen Präsidenten. Portas antwortete, die Handelsbeziehungen zu Bolivien seien ohnehin „sehr reduziert“, weshalb er keinen Anlass zu Besorgnis über künftige Export-Bilanzen sehe. In Bolivien kam es allerdings bereits zu anti-portugiesischen Demonstrationen und Flaggen-Verbrennungen, deshalb fordert die Opposition, die portugiesische Regierung solle sich für den Vorfall beim bolivianischen Staat entschuldigen.

Beschlossen und verkündet

Vor fünf Tagen war er zurückgetreten vom Amt des Außenministers und hatte betont, die Entscheidung sei „unwiderruflich“. Nun ist Paulo Portas, Vorsitzender der kleinen Koalitionspartei CDS-PP wieder da, mit mehr Macht und mehr Befugnissen als je zuvor und Beobachter der Karriere Portas' bekräftigen, dies allein sei das Ziel des politischen Rechtsauslegers gewesen, der als Machtmensch und harter Stratege bekannt ist. Portas betont, sein Rücktritt sei tatsächlich unwiderruflich gewesen, denn er kehre schließlich nicht ins Außenamt zurück. Stattdessen bekleidet er den bisher nicht eigenständigen Posten des Vize-Regierungschefs und wird sich, als Minister ohne Ressort, insbesondere um die Wirtschafts-Politik kümmern. Das verschafft ihm gleichzeitig die Position, die Verhandlungen mit der internationalen Finanzhilfe zu bestimmen. Die Troika wird es von nun an faktisch mit Paulo Portas zu tun haben, nicht mit einer ganzen Regierung oder deren Chef. 
In einer TV-Ansprache gaben Premier Pedro Passos Coelho und Paulo Portas die Personalien heute Abend als „Beginn eines neuen Zyklus“ bekannt. Portas wirkte an der umfangreichen Umbildung des Kabinetts federführend mit:

Heiß

 Sonnenuntergang an der Ria Formosa
Seit Freitag und aller Voraussicht nach bis einschließlich Montag erlebt Portugal nicht nur die heißesten Tage des Jahres, gleichzeitig werden Temperatur-Rekorde der vergangenen zehn Jahre gebrochen. Nahezu das ganze Land liegt unter einer Hitzeglocke, naturgemäß ist es an den Küsten frischer und die Temperaturen dort überschreiten kaum die 30-Grad-Marke. In elf von achtzehn Distrikten des Landes und auch in Lissabon gilt hingegen Wetterwarnstufe Orange (die zweithöchste) mit Temperaturen bis vierzig Grad in der Hauptstadt, 38 bis 44 Grad im Alentejo und im gesamten Tal des Tejo. Selbst in den Nordregionen des Landes werden gegenwärtig zwischen 32 und 40 Grad gemessen. Auch nachts gibt es kaum Abkühlung. Die Gesundheitsämter raten, viel Wasser zu trinken, selbst wenn man keinen Durst verspürt, nur leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen, körperliche Anstrengung zu vermeiden und sich (insbesondere zwischen elf und siebzehn Uhr) nicht in der Sonne aufzuhalten. 
Die Notaufnahmen der Kliniken melden einen deutlichen Anstieg Hilfesuchender, bei denen die Hitze Beschwerden verursacht.

Alles offen

Drei Mal haben sich Regierungschef Pedro Passos Coelho und der zurückgetretene Außenminister Paulo Portas innerhalb von 24 Stunden getroffen, um die immer tiefer werdenden Risse in der Regierungs-Koalition zu kitten, doch der Reparatur-Versuch ist fürs erste gescheitert. Es gab keine Erklärung über Inhalte und Ergebnisse der Treffen, nachdem im Vorfeld einige mögliche Szenarien bekannt wurden. Der Regierungschef ließ lediglich Meldungen über die angebliche Nominierung eines neuen Außenministers dementieren. Inzwischen wurde auch der Name António Pires de Lima als möglicher neuer Wirtschafts-Minister ins Spiel gebracht. Der 51-jährige Ökonom und frühere Abgeordnete Lima ist ein Parteifreund von Paulo Portas und hatte im vergangenen Jahr erklärt, er habe keine Ambitionen auf ein Ministeramt, denn „unsere Partei ist in der Regierung schon ziemlich zahlreich vertreten“.

Rückkehr durch die Hintertür

Paulo Portas, der vorgestern „unwiderruflich“ seinen Rücktritt als Außenminister angekündigt hatte, ist auf dem Weg zurück ins Kabinett – als Wirtschaftsminister und Vize-Premier. Der portugiesische Fernsehsender TVI meldet, in einer Krisensitzung mit Regierungschef Pedro Passos Coelho (der Portas' Rücktritt nicht annehmen wollte), werde als Verhandlungs-Ergebnis vermutlich ein machtpolitisches Stühlerücken stehen: Portas verlässt das Außenamt und wird Stellvertreter von Passos Coelho; zudem soll er das Wirtschaftressort übernehmen, was den Abgang des derzeitigen Ministers Álvaro Santos Pereira bedeuten würde. Portas hatte stets Differenzen mit dem Regierungskollegen und möchte ihn, als Voraussetzung für die Weiterführung der zwei Jahre alten Regierung-Koalition, aus dem Kreis der Minister entfernt sehen. Ob Portas die von ihm harsch kritisierte Neubesetzung des Finanzressorts akzeptieren wird, ist noch unklar. Auch die gestern angekündigte Demission von Portas' Parteikollegen Assunção Cristas (Umwelt und Landwirtschaft) und Pedro Mota Soares (Sozialressort) dürften damit vom Tisch sein. 
Sollte Portas seine eigene Macht und die seiner Partei im Kabinett derart erweitern können, entspräche dies nicht mehr dem prozentualen Verhältnis des Wahlergebnisses aus dem Jahr 2011. Der 51-jährige Portas hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Ruf eines unerbittlichen Machtstrategen erworben und dürfte auch aus dieser schweren Regierungskrise als deutlicher Sieger hervorgehen, ohne den in der Regierungs-Politik des Landes von nun an nichts mehr entschieden werden kann. Seine politische Strategie wird nun in den Reihen der eigenen Partei mit Befremden gesehen, denn für seine Verhandlungen und personellen Forderungen hatte Portas offenbar zu keiner Zeit mit den Parteikollegen Rücksprache gehalten, von denen sich einige "betrogen und überrumpelt" fühlen.

Rückzug Nummer Zwei

Nachdem gestern Vítor Gaspar vom Amt des Finanzministers zurückgetreten ist, folgte ihm heute seine bisheriger Kabinetts-Kollege Paulo Portas, der Außenminister. Portas, der die kleinere, rechtskonservative Koalitions-Partei CDS-PP vertritt, hatte schon einige Monate lang die Politik der Regierung kritisiert, der er bisher angehörte; insbesondere die Kürzungen im Sozialbereich, die ältere Menschen betreffen. Aufgrund der Schärfe und Beharrlichkeit von Portas' Einsprüchen bezeichnete die Wochen-Zeitschrift Visão ihn kürzlich als „den Führer der Opposition“, denn die politische Anklagen der tatsächlichen parlamentarischen Opposition blieben teils weit hinter Portas' Kritik zurück. Regierungschef Pedro Passos Coelho nahm den Rücktritt zunächst nicht an, doch Portas bezeichnete seinen Schritt als „unwiderruflich“
 Getrennte Wege: Paulo Portas (li.) und
Regierungschef Pedro Passos Coelho
Offiziell hieß es, die Ernennung von Maria Luís Albuquerque als neue Finanzministerin habe für Portas „das Fass zum Überlaufen gebracht“. Albuquerque war bisher Staatssekretärin im Finanzressort und Portas betonte, nach den „bekannten, deutlichen Differenzen zwischen mir und Vítor Gaspar“ sehe er in der neuen Personalie „keinen Grund zur Hoffnung auf eine neue Politik“. Beobachter berichten, dem Rücktritt von Portas sei „der totale Bruch mit Regierungschef Pedro Passos Coelho“ vorausgegangen.

Rückzug

 Packt ein: Vítor Gaspar
Vítor Gaspar, Portugals Finanzminister seit Juni 2011, hat heute seinen Rücktritt erklärt. Der Ressortchef war seit Monaten der faktisch mächtigste Politiker in der Regierung, denn seit einem Sparkontroll-Erlass Im vergangenen April konnte kein anderes Ministerium einen Erlass oder eine mit Finanzierungen verbundene Direktive herausgeben, die nicht zuvor vom Finanz-Minister geprüft und abgesegnet worden war. 
Aus einem Schreiben an Premierminister Pedro Passos Coelho geht hervor, dass Gaspar bereits im Oktober letzten Jahres um seine Entlassung gebeten hatte, inzwischen sei „dies unaufschiebbar geworden“, schreibt Gaspar, der seinen Rücktritt mit zunehmenden Rückschlägen für seine Finanzpolitik begründet. Ein Verbleib im Amt beschädige seine Glaubwürdigkeit, so Gaspar. Der Minister stand in vorderster Front der Verantwortlichen, als das Verfassungs-Gericht den Staatshaushalt für dieses Jahr in Teilen für nicht verfassungskonform erklärte. Die in der Folge noch verstärkte Kürzungspolitik ohne Alternativen und Anreize zur Ankurbelung der Wirtschaft führte zu immer mehr Massen-Demonstrationen, einem Generalstreik und zahlreichen, teils mehrtägigen Streiks quer durch die Branchen mit bisher nie gekannter Beteiligung. In der vergangenen Woche veröffentlichte das portugiesische Statistikamt INE zudem Daten, denen zufolge die Staatsverschuldung in der Weise steigt, in der die Regierung ihre Sparpolitik verschärft – obwohl diese Politik gerade das Gegenteil bewirken sollte.
Kommunalwahl 
Der Ministerrat hat das Datum für die Kommunalwahl festgelegt: Demnach wird am 29.September über die Besetzung der 308 Rathäuser im Lande für die folgenden vier Jahre sowie für die Gemeinde-Vertretungen entschieden. Bei Kommunalwahlen (Eleições Autárquicas) in Portugal sind auch Ausländer stimmberechtigt, sofern sie in einer portugiesischen Stadt oder Gemeinde wohnen und gemeldet sind: Alle in Portugal ansässigen Bürger aus Ländern der Europäischen Union dürfen abstimmen sowie Staats-Angehörige der Kapverden, von Brasilien, Argentinien, Chile, Island, Peru, Uruguai und Venezuela – Länder in denen viele emigrierte Portugiesen und ihre Nachfahren leben. Norweger sind ebenfalls wahlberechtigt, obwohl ihr Land kein EU-Mitglied, jedoch als Teil des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) in vielen Belangen den EU-Staaten gleichgestellt ist. Zuständig für die Aufnahme in das Wähler-Verzeichnis ist die Gemeinde-Verwaltung des Wohnortes. Zur Kandidatur berechtigt sind neben EU-Bürgern auch Brasilianer und Kapverden; beide Länder stellen in Portugal die größte nationale Minderheit portugiesisch-sprachiger Nationen. 
Bei der vorigen Kommunalwahl im Jahr 2009 lag die Wahlbeteiligung nur bei 59 Prozent;
Grenzübergreifende Ermittlungen 
Ermittler und Fahnder aus Portugal nahmen an der internationalen 'Pickpocket-Konferenz' in Den Haag teil. Dabei ging es um die Sammlung von Erkenntnissen über die wirksamsten Methoden gegen Taschendiebe, denen besonders häufig Touristen zum Opfer fallen. Die Polizeikräfte der 18 teilnehmenden Länder wollen künftig ihre Ermittlungs-Ergebnisse systematisch teilen, damit Anfragen zu reisenden Tätern und Tätergruppen rasch beantwortet werden können. Eine Europol-Datenbank soll die grenzübergreifende Fahndung und Prävention erleichtern und Daten über Täterstrukturen und ihre Reisewege gezielt an alle Mitglieds-Staaten der EU weiter geleitet werden. Taschendiebstähle seien längst keine lokalen Phänomene mehr; vielmehr seien die Langfinger immer häufiger in international vernetzten, organisierten Banden unterwegs und wechseln ihre Aufenthalstorte in sehr kurzer Zeit. 
Auch der unspektakulär scheinende Diebstahl von Altmetall und solchem, das durch Diebstahl dazu gemacht wird, ist inzwischen in der Hand organisierter Banden, die über die Grenzen hinweg arbeiten, so Europol-Direktor Rob Wainwright. Europol hatte deshalb auch zu einem Treffen der Polizei-Kräfte geladen, die sich mit dem Metallklau beschäftigen.
Post-Wert-Zeichen
 Das Postamt in Praia da Rocha (1930 - 2013):
Gebäude mit Anspruch auf Denkmalschutz
Seit 2008 schlossen in Portugal 284 Postämter. Der seit Jahren bestehende Plan zur Privatisierung der portugiesischen Post CTT ('Correios, Telégrafos e Telefones'), einer der größten Arbeitgeber im Land mit 13.000 Mitarbeitern, erregte bisher wenig Aufmerksamkeit. Nun wurden in wenigen Wochen noch einmal 124 Postämter geschlossen, in Stadtvierteln ebenso wie auf entlegenen Dörfern und nun spürt die Bevölkerung den Verlust des Dienstleisters auf schmerzhafte Weise. Bürgermeister protestieren gegen die Minderung infrastruktureller Qualitäten ihrer Gemeinden. Tourismus-Betriebe fürchten um die Attraktivität der Urlaubsziele, denn auch in Ferienorten wie Ferragudo und Praia da Rocha bleibt das Postamt zu. Als Ausgleich eröffnen 78 Briefannahme-Stellen mit deutlich reduziertem Service, untergebracht in Geschäften oder Büros. CTT betont dabei, die Schließung habe nichts mit der angestrebten Privatisierung zu tun,
Grenzen überwinden 
 3% der EU-Bürger leben nicht im eigenen Land
Die EU-Kommission will den Alltag der Menschen entbürokratisieren, die sich für einen Wohnsitz im EU-Ausland entschieden haben. Das betrifft 13,6 der insgesamt rund 500 Millionen EU-Bürger. Die Pläne zur Vereinfachung von Dokumenten, Verwaltungs-Pflichten und Rechten transnational lebender Bürger basieren auf einer Analyse der EU-Kommission dazu, inwieweit EU-Bürger ihre unionsweiten Rechte kennen und in Anspruch nehmen. Die Neuerungen betreffen vor allem die Arbeitswelt: Arbeitslose, die im EU-Ausland einen Job suchen, sollen einen Anspruch auf Bezug von Arbeitslosengeld aus dem Heimat-Staat für die Dauer von sechs Monaten erhalten. Für junge Menschen, die bei Berufs-Praktika auch über die eigene Ländergrenze hinausschauen, soll durch eine EU-weit geltende Qualitäts-Richtlinie für Praktika die Sicherheit erhöht werden, nicht als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht zu werden. Nur so könne die EU-weite Mobilität der Menschen gefördert werden, hieß es bei der Vorlage des „Berichts über die Unions-Bürgerschaft 2013“. 
Autofahrer, die im EU-Ausland leben, könnten dann ihre Kfz-Hauptuntersuchung vor Ort machen lassen. Bis 2014 soll dazu eine Internet-Plattform eingerichtet werden, die die Anerkennung des fremden Prüfzertifikats im Heimatland vereinfacht. Ferner sollen Behinderten-Ausweise in allen Ländern der Gemeinschaft angeglichen werden, damit die rund achtzig Millionen Betroffenen auch im Ausland ihre durch den Ausweis belegten, manchmal lebenswichtigen Rechte wahrnehmen können. Weitere geplante Vereinfachungen zielen auf die uneingeschränkte Ausübung des Wahlrechts im Heimatland nach einem Umzug innerhalb der EU sowie auf erhöhte Rechtssicherheit bei europaweiten Online-Einkäufen und mehr Rechtssicherheit bei grenzübergreifenden Gerichts-Verfahren.
(Unter diesem Link hat die EU-Kommission alle Pläne mit praktischen Alltagsbeispielen online gestellt.)
„Auf Meeren, nie zuvor befahren ...“ 
 Luís de Camões, portraitiert von
seinem Zeitgenossen, dem spanisch-
portugiesischen Maler Fernão Gomes
Heute, am 10.Juni, ist Feiertag in Portugal. In jedem Jahr ist eine andere Stadt Bühne für die zentrale Feier des Gedenktages; in diesem Jahr ist es Elvas im Alentejo. Nicht erst in Zeiten der Krise wird der Tag mit aktueller nationaler Politik überfrachtet und liefert Politikern Gelegenheit, ihre eigenen Philosophien über Staat und Gesellschaft unters Volk zu bringen. Dabei trägt der Feiertag einen kultur-historischen Namen: Den des Nationaldichters Luís de Camões, wahrscheinlich 1524 in Lissabon geboren und 1580 ebendort Opfer der Pest geworden. Er lieferte mit seinem Poem 'Os Lusíadas' das poetische Geschichtsbuch des Landes. Wer den Spuren des viel interpretierten Dichters folgt, kann noch immer vieles entdecken. 
Hinter dem schmiedeeisernen Portal liegt ein Garten. Die Menschen sitzen im Schatten tropischer Bäume, nebenan picken Tauben Körner vom Boden. Aus den seitab liegenden Pavillons klingt klassische Musik. Beschauliche Szenen aus der früheren portugiesischen Kolonie Macau – der Park ist Luís Vaz de Camões gewidmet, Portugals wichtigstem Dichter. Teile des Nationalepos „Os Lusíadas“, zugeeignet dem Seefahrer Vasco da Gama, der als einer der „Söhne Lusitaniens“ die Meere befuhr und mit Eroberungen die Welt für immer veränderte, soll Camões nach 1558 während seines Aufenthaltes in Macau geschrieben haben. In seiner Heimat Portugal wurde sein Todestag, der 10. Juni, zum Nationalfeiertag mit dem wohl den längsten aller Feiertags-Namen: „Dia de Portugal, de Camões e das Comunidades Portuguesas” (Tag von Portugal, Camões und den portugiesischen Gemeinschaften). 
150 Jahre nach Camões' Tod leitet der französische Philosoph Voltaire die Diskussion um das Verdienst des Werkes ein.
Tauchen und Sicherheit 
 FOTOS: Marinha Portuguesa
Im Rahmen des Ocean Revival-Projektes vor der Algarveküste bei Alvor wird am kommenden Samstag das dritte von vier Schiffen versenkt, die sich in Europas größtes künstliches Riff verwandeln und zur Tauchsport-Attraktion der Region werden sollen. Die aus dem Marinedienst ausgemusterte Fregatte 'Hermenegildo Capelo' liegt seit Ende Mai im Hafen von Portimão und wird dort dekontaminiert und für die Versenkung vorbereitet. Die gezielten Sprengungen am Ort des entstehenden Riffs und das Versinken des 1966 vom Stapel gelaufenen und 2004 stillgelegten Kriegsschiffes können am 15.Juni ab sieben Uhr vom Strand aus beobachtet werden, wenn das Schiff aus dem Hafen geschleppt und an seinen Bestimmungsort gebracht wird. Die Sprengung findet um 13 Uhr statt. Im Falle der ersten beiden Schiffe waren zwischen Sprengung und Versinken des Metall-Torso unter der Wasser-Oberfläche nicht einmal vier Minuten vergangen. Im Herbst folgt das ehemalige ozeanografische Forschungs-Schiff 'Almeida Carvalho' als viertes Wrack und das Projekt wird vorerst abgeschlossen. 
Mit der Ausweitung des Tauchsport-Angebotes wird auch die Notfall-Versorgung für Tauchunfälle verbessert: Das Hospital do Barlavento und der Verband zur Förderung des Unterwasser-Tourismus (MUSUBMAR) haben sich geeinigt, in der Klinik in Portimão eine Station für Hyperbarmedizin mit einer Dekompressions-Kammer einzurichten. In der einzigen Einrichtung dieser Art im Süden Portugals (die nächstgelegene befindet sich im Marine-Hospital in Lissabon) können Verletzungen durch Überdruck oder zu rascher Druck-Entlastung beim Tauchen ausgeglichen werden. In der Druckkammer können bis zu acht Personen simultan eine hyperbare Sauerstoff-Therapie erhalten.